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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
27 (sequence 5)
Language
German
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Die Gottesbeweise Und nun fragen wir: Was für ein ..Gott'* soll denn als existierend bewiesen werden? Die Frage klingt zunächst seltsam, ist aber durchaus berechtigt Denn es wird sich zeigen, daß es mindestens vier voneinander sehr verschiedene Gottesbegriffe gibt; und weiter, daß fast alle vorliegenden Gottesbeweise ganz ausdrücklich auf einen dieser Begriffe gemünzt sind. Die vier voneinander sehr verschiedenartigen Gottesbegriffe aber sind diese: Man kann göttlich alles das in Welt und Seele nennen, was ganzheitlich, also nicht aus dem summen- und resultantenhaften Wirken der Teile verstandlich, ist. In diesem Ganzheitlichen würde sich dann, sei es in personaler, sei es in überpersönlicher Form, ein göttlicher Ordner, ein Demiurgos, auswirken. Welt und Seele wären gottdurchtränkt Weiter wird nichts gesagt, zumal wird nichts ausgesagt über Weltanfang und Weltende und über die Beziehung Gottes zu beiden. Wir wollen diese schlichteste und am wenigsten anmaßliche Form der Gotteslehre kurz als Demiurgoslehre bezeichnen. Ihr wesentliches Kennzeichen ist negativ: sie lehnt den Atheismus im Sinne einer reinen Summenlehre ab. Über die bloße Demiurgoslehre hinaus geht der echte Pantheismus, unter welchem wir die Lehre von einem sich im Wege des Weltprozesses in Freiheit „machenden" Gotte verstehen wollen. Bergsons Lehre vom elan vital, vom dieu qui se fait gehört hierher. Gott ist die Welt, insofern sie ganzheitlich ist Dieser Welt-Gott aber hat nicht etwa ein gegebenes Wesen, eine fest bestimmte essentia, welche sich im ganzheitlichen Weltprozeß entfaltet, sondern er „wird", paradox gesprochen, sein „Wesen", und zwar in vollendeter Indetermination: Wer Gott kennen würde, insoweit er sich schon „gemacht" hat, der würde damit nichts über sein ferneres „Machen" wissen; ja, Gott selbst kann sein Wesen nicht kennen, denn dieses ist ja gar nicht dal Wir kommen jetzt zu den beiden gewissermaßen kodifizierten Formen des Grottesbegriffs. Jede von ihnen hat ihre Unterformen, ihre Variationen; auf diese werden wir uns aber nur gelegentlich einlassen. Man pflegt die erste dieser beiden Formen oft als Pantheismus zu bezeichnen, die zweite als Theismus. Wir wollen sie beide „Theismus" nennen, da uns der Name „Pantheismus" die Lehre vom sich in Freiheit machenden Welt-Gott allein passend zu decken scheint Namen sind ja doch nur Namen, und logisch ist einzig gefordert, daß ein einmal gegebener Name festgehalten werde. 27

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