Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 25

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
25 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2895450-2895459-2895461-2896700--00898-2896756
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Gottesbeweise 7. Der Beweis aas dem Besitz ewiger Wahrheiten geht auf Augustinus zurück: Ich habe auf gewissen Gebieten, sicherlich auf denen der Logik und der Mathematik, ein endgültiges, unverbesserbares, „apriorisches" Wissen um gewisse theoretische Geltungszusammenhänge. Aus der Erfahrung stammt es nicht, also muß es mir von einem Urwesen eingepflanzt sein, das mich hier gleichsam an seinem eigenen Wissen teilhaben läßt; und dieses Urwesen heißt „Gott". 8. Der moralische Beweis reflektiert insonderheit auf die ethischen Geltungszusammenhänge, wie sie sich im „Gewissen" verkörpern. Dieses ist gleichsam ein „Mitwissen" mit dem Wissen eines Urwesens; und dieses heißt „Gott". Der vierte bis achte Gottesbeweis geht, wie man sieht, auf das Ich und auf seinen Besitz, nicht wie die drei ersten auf das Gegebensein der „Welt". 9. Der ontologische Beweis endlich, im Abendlande von Anselm von Canterbury zuerst geformt, aber vielleicht auf arabische Vorbilder zurückgehend, ist im Gegensatz zu allen übrigen Beweisen rein logisch: es liegt im Begriff eines allervollendetsten Wesens (ens perfectissimum), d. h. eines Wesens, welches begrifflich die Gesamtheit aller positiven Prädikate als Merkmale enthält, daß ihm auch das Prädikat der Existenz zukomme, daß es ens realissimum sein muß. Denn sonst würde ihm ja ein positives Prädikat fehlen, und das wäre ein logischer Widerspruch. Dieser ontologische Beweis glaubt nach Art geometrischer Beweise zu verfahren. Wir wundern uns nicht, daß der Philosoph des „mos geometricus". Spinoza, ihn annimmt Aber auch Leibniz nimmt ihn an, mit dem Zusatz, daß er bündig sei, wenn der Begriff des ens perfectissimum sich als „möglich", d. h. nicht in sich widerspruchsvoll erweisen lasse, was evidentermaßen der Fall sei; und ebenso akzeptiert ihn Hegel. — Schreiten wir nun zur Prüfung der Bündigkeit der 8 Gottesbeweise, so müssen wir mit der Erörterung zweier sehr wichtiger Vorfragen beginnen. Wir müssen uns klar darüber werden, was man eigentlich unter beweisen versteht, und was für einen „Gott" man eigentlich, nachdem der Begriff des Beweisens geklärt ist, als existierend „beweisen" will. Das Wort „beweisen" nun bedeutet, leider, im philosophischen Sprachgebrauch zwei ganz verschiedene Dinge. . Zum ersten bedeutet es: als notwendige Konsequenz sicherer Einsichten aufzeigen, also zeigen, daß die schon bestehende sichere Einsicht das „Be- 25

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.