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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 24

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Gottesbeweise
Date
1926-04-01
Page
24 (sequence 2)
Language
German
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Hans Driesch 2. Der Beweis aus der Zufälligkeit der Welt (ex contingentia mundi) geht nicht vom Dasein, sondern vom Sosein, vom „Wesen" der Welt aus. Wir verstehen die Notwendigkeit dieses Soseins nicht; es würde für uns keinen logischen Widerspruch bedeuten, wenn es anders wäre, als es ist Es wird ein Urwesen gefordert, welches das Wesen der Welt zur notwendigen Konsequenz hat; und dieses heißt „Gott". 3. Der physiko-theologische Beweis, von uns schon in der Einleitung kurz erwähnt, geht nicht wie der vorige vom Sosein der Welt überhaupt aus, sondern von einem besondern Zuge, einer besonderen Seite dieses Soseins, nämlich der Zweckmäßigkeit oder „Teleologie", welche sich zumal in der organischen Natur zeigt Die Welt ist zweckmäßig geordnet; also muß ein Ordner da sein, und dieser heißt „Gott". Es ist den drei ersten Gottesbeweisen gemeinsam, daß sie von der Gegebenheit der Welt ausgehen. Selbstverständlich stehen sie alle auf dem Boden einer Metaphysik, cL h. sie nehmen als zugestanden, daß es ein Wirkliches, ein „An sich" gibt, sie sind also jedenfalls nicht auf dem Boden einer streng „idealistischen", einer solipsistischen Philosophie erwachsen. Auf diesem Boden wären sie — und das gilt für alle Gottesbeweise — sinnlos. Aber ob die Welt naiv realistisch oder transzendental realistisch gefaßt wird, d. h. ob man das Wirkliche gegeben sein läßt, so wie es „ist", oder in Form von bloßer „Erscheinung", das ist ziemlich gleichgültig. Auf jeden Fall wird Wirkliches als daseiend vorausgesetzt und soll in seinem Dasein und Sosein durch das, was „Gott" genannt wird, verstanden werden. 4. Der psychologische Beweis, von Descartes herstammend, geht davon aus, daß ich den Gottesbegriff, d. h. den Begriff eines nicht-endlichen vollendeten Wesens in meinem Innenleben besitze. Ich als endliches mangelbehaftetes Wesen kann mir diese Vorstellung nicht gegeben haben. Also existiert ein Wesen, welches an Vollendungsgrad dem, was meine Vorstellung von ihm ausdrückt, entspricht; und dieses Wesen heißt „Gott". 5. Der Beweis ex consensu gentium geht aus von der Tatsache, daß alle Völker irgendeine Gottesvorstellung besitzen, und schließt aus dieser Gemeinsamkeit des Besitzes auf das Dasein des Vorstellungsgegenstandes. 6. Der Erhaltungsbeweis, ebenfalls von Descartes, als Zusatz zum psychologischen Beweis, ausdrücklich geformt, besagt, daß ich in der Zeit beharre, mich aber doch offenbar nicht selbst erhalte. Also muß es ein Wesen geben, das mich erhalt; und dieses heißt „Gott". 24

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