Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Die Gottesbeweise
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 23 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gottesbeweise Von Hans Driesch In der philosophischen Literatur der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts kommt das Wort „Gott" beinahe niemals vor. Man war Positivist, und da stieß man nirgends auf einen Gegenstand, der mit diesem Namen bezeichnet werden konnte. Oder man war Neukantianer; und Kant hatte ja alle Beweise für das Dasein Gottes widerlegt. Dem physiko-theologischen, auf die Zweckmäßigkeit, der Teleologie der Natur gegründeten Beweise hatte Kant zwar, zumal in den Prolegomena, eine gewisse Bedeutung eingeräumt; aber die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war gerade in Sachen der Teleologie noch viel skeptischer, als Kant selbst es gewesen war. Seit der Jahrhundertwende ist das anders geworden. Der Name „Gott" tritt gelegentlich wieder in der philosophischen Literatur auf, oft freilich nur gleichsam verschämt, oft aber auch, und das mit jedem Jahre mehr, in zentraler Stellung. Und da handelt es sich denn nicht mehr um den bloßen Namen „Gott", sondern um das uralte Gottes prob lern. Mit dem Interesse am Gottesproblem ist auch das Interesse an den Beweisen für die Existenz „Gottes" neu erwacht, und von diesen Beweisen soll hier die Rede sein. Wir beginnen mit einer kurzen Aufzählung der wesentlichsten dieser Beweise, wobei wir versuchen, jedem von ihnen eine möglichst scharfe Formel zu geben. i. Der uralte kosmologische Beweis, für den ein eigentlicher erster Beweisführer nicht bekannt ist, geht aus vom Dasein der Welt Dieses Dasein hat die Form einer fortlaufenden Kette von Wirkungen und Ursachen. Man postuliert eine erste Ursache, & h. eine Ursache, welche nicht selbst wieder Wirkung ist. und nennt diese „Gott". 23