Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Völkischer Antisemitismus
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Julius Goldstein über Richtigkeit oder Unrichtigkeit einer metaphysischen Theorie abhängig zu machen. Dazu kommt noch ein weiteres. Stapel übernimmt nicht die Philosophie Fichtes, er übernimmt nur eine einzige ihrer Thesen. Gedanken einer Metaphysik sind aber nicht wie Backsteine, die man aus einem Gebäude herausnehmen kann zu willkürlich anderer Verwendung. Eine Metaphysik ist ein einheitlicher geistiger Zusammenhang; jeder einzelne Gedanke ist beseelt von der Intuition des Ganzen. Stapel identifiziert die biologische Auffassung des Volkes mit der Fichteschen — ein Irrtum, der, wie später zu zeigen ist, aus einem geradezu grotesken Mißverstehen Fichteschen Geistes stammt Aber da Stapel seine ganze Argumentation auf Fichte gründet, so sei im Folgenden aufgewiesen, in welcher Art er die Fichtesche Auffassung zu beweisen sucht Sie ist ihm „eine erkannte Wahrheit", die er „niemals um personlicher Rücksichten willen unterdrücken werde". „Niemand darf mich darum anklagen oder beschuldigen, man darf mich nur widerlegen. So laßt uns denn um die Wahrheit kämpfen und alle Bitterkeit Von uns tun. Ist die Fichtesche Anschauung wahr oder falsch?" (S. 32.) In diesem Geiste die Wahrheit der Fichteschen Anschauung prüfen, kann vorerst nur bedeuten: in welcher Weise sucht Stapel die Wahrheit der Fichteschen Anschauung zu beweisen? Indem er die Unzulänglichkeit der atomistischen Anschauung darlegt Die logische Struktur seines Beweises ist disjunktiver Art Wenn die atomistische Anschauung falsch ist, dann ist die Fichtesche richtig — es ist ein Beweis durch Ausschließung. Die Unrichtigkeit einer gegnerischen Theorie darlegen, bedeutet aber nur dann die Richtigkeit der eigenen, wenn es nur diese zwei Theorien geben kann. Das müßte aber erst bewiesen werden. Und Stapel tut es nicht, kann es auch gar nicht Es ist erstaunlich, daß Stapel die reichen Arbeitsleistungen der Sozialwissenschaften einfach nicht kennt oder sich nicht im geringsten um sie kümmert Seit einem Jahrhundert ist eine ungeheure Literatur über den Volksbegriff erwachsen — nichts davon ist bei Stapel zu finden. Er kennt nur ein armseliges Entweder-Oder. Stapel stellt es so dar, als ob diejenigen, die sich nicht zur Fichteschen Anschauung bekennen, Anhänger der atomistischen sein müßten. Er sucht für die Wahrheit seiner Theorie dadurch zu werben, daß er die Vertreter anderer Auffassungen möglichst dumm argumentieren 20