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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 19

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-04-01
Page
19 (sequence 7)
Language
German
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Völkischer Antisemitismus Nebeneinander selbständiger, nur aus eigenen Lebensgesetzen sich entfaltender Gesamtpersönlichkeiten. Volkstum ist die Gesamtheit der Geistesschöpfungen, die sich nach dem Gesetz besonderen Wachstums entfaltet haben. Daher die für Stapel charakteristischen Vergleiche: Volk ist „eine naturhaft gewachsene Einheit, wie der Baum, das Korallenriff, der Bienenschwarm" (p. 5). In dem Bestreben, die Völker bis in die Tiefe hinein zu trennen, geht Stapel noch einen Schritt weiter. Er identifiziert — fälschlicherweise, wie ich später zeigen werde, — den biologischen Volksbegriff mit demjenigen Fichtes. Er behauptet, die biologische Auffassung des Volkes sei zum ersten Male von Fichte in den „Reden an die deutsche Nation" mit voller Klarheit entwickelt worden. Und er gibt zum Beweise dafür die in der achten Rede an die deutsche Nation enthaltenen folgenden Worte an: „Dies ist in höherer vom Standpunkt der Ansicht einer geistigen Welt überhaupt genommenen Bedeutung des Wortes ein Volk: Das Ganze der in Gesellschaft miteinander fortlebenden und sich aus sich selbst immerfort natürlich und geistig erzeugenden Menschen, das insgesamt unter einem gewissen besonderen Gesetze der Entwicklung des Göttlichen aus ihm steht Die Gemeinsamkeit dieses besonderen Gesetzes ist es, was in der ewigen Welt und eben darum auch in der zeitlichen diese Menge zu einem natürlichen und von sich selbst durchdrungenen Ganzen verbindet . . . Jenes Gesetz bestimmt durchaus und vollendet das, was man den Nationalcharakter eines Volkes genannt hat. jenes Gesetz des Ursprünglichen und Göttlichen." Mit dieser Fichteschen Anschauung glaubt nun Stapel die Schranke zwischen Juden und Deutschen errichtet zu haben. „Wem die Fichtesche Anschauung ab der richtige Ausdruck des wirklichen Sachverhaltes gilt, für den gibt es trotz aller staatlichen, organisatorischen, kulturischen Gemeinsamkeiten einen Unterschied zwischen deutschem und jüdischem Volk" (p. 3i). Wir haben hier also eine metaphysische Theorie vom Wesen des Volkes. Sie ist „entscheidend für die Stellung zur Judenfrage". Das will besagen: Die Forderungen, die Stapel aus seinem antisemitischen Affekt für das Zusammenleben von Juden und Deutschen aufstellt, sollen begründet werden aus einer metaphysischen Theorie Fichtes. Ein methodologisch etwas umständliches Verfahren! Es ist immer mißlich, eine konkrete politische und gesellschaftliche Situation auf Grund einer metaphysischen Theorie regeln zu wollen. Es ist immer mißlich, eine politische oder kulturelle Frage von der Entscheidung 19

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