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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 17

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Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Völkischer Antisemitismus
Date
1926-04-01
Page
17 (sequence 5)
Language
German
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Völkischer Antisemitismus Völkischen als selbstverständlich. In immer neuen Wendungen sucht Stapel den Nachweis zu erbringen, daß die Juden aus dem Zwang eines anderen Volkstums dem Deutschtum fremd gegenüberstehen. Volkstum ist also der entscheidende Faktor, der Juden und Deutsche trennen soll. Darin gleicht der völkische Antisemitismus dem rassischen: beide postulieren die Unentrinnbarkeit derjenigen Eigenschaften, die den Menschen zum Deutschen oder Juden machen. Bei dem einen ist es das Blut, bei dem andern das Volkstum. Beide Formen müssen daher das Bestreben haben, das für den Juden Entscheidende in möglichst objektiven, leicht erfaßbaren und aufdrängenden Merkmalen zu geben. Bei der Rasse ist es leichter als beim Volkstum, ob es auch gleich bei der Rasse sich sehr oft als unmöglich erweist Rasse ist wenigstens ein naturwissenschaftlicher Begriff und hat eine Reihe äußerer Merkmale. Aber was ist Volk? Nur die in völkischen Kreisen oft anzutreffende Ignoranz vermag zu meinen, Volk sei etwas Einfaches und Eindeutiges. Wer sich einmal bemüht hat um die wissenschaftliche Literatur über den Volksbegriff, wer etwa einmal Rümelin oder Lindner oder Seipel gelesen hat, oder wer die Problematik des Volksbegriffes in den wissenschaftlichen Schriften über das Auslandsdeutschtum kennt, der weiß, wie leichtfertig völkische Schriftsteller mit den Begriffen „Volk" und „Volkstum" umgehen. Die Schwierigkeit des Volksbegriffes liegt darin, daß in ihm physiologische und psychologische Motive durcheinanderspielen. Soll das Volkstum — wie früher die Rasse — Juden und Deutsche bis in die letzten Tiefen scheiden, so muß Stapel dem Volksbegriff die naturhafte Bestimmtheit des Rassenbegriffes geben. Volk muß dieselbe Unentrinnbarkeit haben wie Rasse: Der Einzelne muß ebenso unentrinnbar dem Volk verhaftet sein wie der Rasse. Stapel muß daher behaupten, daß der Einzelne in seinem Denken und Fühlen vom Volkstum dergestalt bestimmt ist, daß er nicht imstande ist, Menschen eines anderen Volkstums zu verstehen. Die Völker müssen verschieden sein wie die verschiedenen Pflanzen- und Tierarten, und jeder einzelne Mensch darf nur ein Exemplar seines Volkes sein, etwa wie jede Pflanze nur ein Exemplar ihrer Art ist Dann erst ist es möglich, den völkischen Antisemitismus zu rechtfertigen, d. h. die Auffassung zu vertreten und praktisch auszuwerten, daß Juden und Deutsche von Grund aus fremd und verständnislos sich gegenüberstehen, weil sie zwei völlig verschiedenen 17

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