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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Juden in China
Date
1926-04-01
Page
10 (sequence 8)
Language
German
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Richard Wilhelm Gottesdienst blau gewesen sei, während die Mohammedaner einen weißen Turban trugen. Doch ist die Zivilkleidung sowohl der Juden als der Mohammedaner die gewöhnliche chinesische gewesen. Daß eine solche Verschmelzung mit den Mohammedanern stattgefunden hat, dazu trug wohl bei, daß die Mohammedaner in China sich rassenmäßig von den Chinesen unterscheiden, da sie keinerlei Mission in China treiben. Fragen wir, wie es möglich geworden ist, daß das chinesische Judentum so vollkommen aufgesogen worden ist, so ist daran einerseits die religiöse Duldsamkeit des Konfuzianismus schuld, die die Ausübung des jüdischen Gottesdienstes nie verfolgte, weil die Juden immer loyale und gute Bürger waren. Die Ähnlichkeit der konfuzianischen und der jüdischen Anschauungen in so wichtigen Fragen, die ja auch in den jüdischen Steininschriften ihren Ausdruck findet, mag ein weiterer Grund gewesen sein. Dazu kommt die ungemein starke Umwandlungskraft, die die chinesische Kultur auf jeden ausübt, der in ihrem Bannkreis lebt Nicht nur die Juden, auch unzählige andere Nationen und Kulturen sind in China assimiliert worden. Natürlich wirkte auf der anderen Seite der Umstand mit, daß durch die Entwicklung der historischen Verhältnisse allmählich die Verbindung Chinas mit dem Westen erlosch, namentlich seit von Europa aus die chinesische Welt mit Waffenmacht vergewaltigt wurde. Durch diese Abschließung wurde auch den Juden in China der Kontakt mit ihren Glaubensgenossen im Westen unterbunden. Und als dann später vom Meer her neuer Zuzug kam, da war die Gemeinde schon zu weit vorgeschritten im Prozeß der Assimilation, als daß dieser Prozeß noch hätte aufgehalten werden können. Der neue Zuzug von jüdischen Elementen kam mit dem englischen Handel zusammen. In dem englischen Vertrag mit China von 1842 kam die Insel Hongkong in englischen Besitz. Die ersten Juden, welche sich an dem neuen Handelsverkehr beteiligten, kamen aus Bombay, wohin sie im Anfang des 19. Jahrhunderts aus Bagdad übergesiedelt waren. Sie vermittelten Opiumhandel und später die Einfuhr indischer Baumwollgarne und anderer Waren. Die erste der Familien war die Familie Sässoon. Der Begründer dieser Familie war David Sässoon, der aus Bagdad gebürtig, später nach Bombay übersiedelte. Zusammen mit seinen Söhnen erweiterte er die Firma. Für China wurde namentlich der Sohn Elias von Bedeutung. Heute sind die beiden Firmen — die väterliche und die vom Sohn Elias begründete Tochtergesellschaft — hauptsächlich in Hongkong und Shanghai tätig. Eine Gemeinde von indischen und 10

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