Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Die Juden in China
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 11 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in China arabischen Juden mit sephäretischem Ritual hat sich im Gefolge dieser Firmen gebildet Sie sprechen arabisch, wenn sie unter sich sind, sind englische Untertanen und sind wegen ihres Reichtums und ihrer großzügigen Freigebigkeit nicht nur in den Kreisen der Glaubensgenossen, sondern auch in Regierungskreisen sehr geschätzt In Hongkong und Shanghai befinden sich Synagogen und Klubs, und neuerdings ist auch ein Rabbiner nach Shanghai berufen worden. Das Leben in diesen Gemeinden schildert Israel Cohen1) in seinem Reisetagebuch sehr anschaulich. In Shanghai sind die Familien Ezra und Hardoon besonders zu erwähnen. Das Familienhaupt der letzteren Familie war mit einer Chinesin verheiratet, so daß die jetzigen Mitglieder auch . zur chinesischen Kultur nahe Beziehungen haben. Eine Ausgabe der chinesischen Tripitaka, großzügige Unternehmungen zur Unterstützung mittelloser chinesischer Gelehrten, sein palastartiges Anwesen auf der Kaiserinsel im Westsee bei Hangtschou haben den Namen Hardoon auch unter den Chinesen weithin bekannt gemacht Die moderne Zeit hat mit dem immer steigenden Zuzug fremder Elemente auch Juden aus den Ländern Europas und Amerikas nach China geführt Diese haben die Fühlung mit den sepbardischen Glaubensgenossen aufgenommen. Sie pflegen die Verbindung untereinander, wie sie sich besonders zeigt, wenn etwa ein prominenter Reisender wie Einstein kommt, dem von dem jüdischen Klub ein freundlicher Empfang bereitet wurde. Aber sie haben natürlich auch Beziehungen zu den übrigen Europäern in China, durch Klubs und Freimaurerlogen. Bedeutende Beamte wie der Gouverneur von Hongkong während vieler Jahre, Sir Matthew Nathan, zeigen bewundernswerte Leistungen und so mündet die Geschichte des Judentums in China allmählich ein in die Geschichte der fremden Ansiedler in China überhaupt . Immerhin wäre dringend zu wünschen, daß die Juden in China ihre Stellung verstehen. China bereitet sich heute vor zu einem Freiheitskampf gegen fremde Unterdrückung. Die Chinesen sind keineswegs fremdenfeindlich, sie wollen nur die ungerechten Fesseln abwerfen, die fremde Machtpolitik ihnen angelegt Andere Nationen, die aus ihrer Geschichte wissen, was Unterdrückung heißt, müssen Verständnis für diesen Freiheitskampf haben. Möge es den Juden in China gelingen, beizeiten die Stellung zu den Chinesen zu finden, die nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch dem wohlverstandenen eigenen!) The Journal of a Jevräh traveller, London ia;*5. w