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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Juden in China
Date
1926-04-01
Page
9 (sequence 7)
Language
German
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Die Juden in China Etwas später war auch Dr. J. Edkins dort. Seine Ergebnisse sind im wesentlichen dieselben. Er erwähnt, daß er mit einem Gelehrten (chinesischem Graduierten) aus der Gemeinde gesprochen habe. Damals seien einige hundert Personen noch vorhanden gewesen, die aber nicht mehr hebräisch haben lesen können. Ihre Synagoge habe denselben Namen wie die mohammedanischen Moscheen getragen (Tsing tschen si reiner und wahrer Tempel). Sie haben den konfuzianischen Ausdruck Tien (Himmel) für Gott gebraucht; wie sehr sie sich den chinesischen Auffassungen angenähert haben, ergebe sich aus der einen ihrer Inschriften, in der folgende Sätze enthalten gewesen seien: „Obwohl sich zwischen unserer Lehre und der Lehre des Konfuzius kleinere Unterschiede finden, so ist doch das Ziel unserer Religion dasselbe wie das seinige. Beide Religionen bezwecken die Verbreitung der Anbetung des Himmels, der Verehrung der Ahnen, der Treue gegen den Fürsten, der Ehrfurcht vor den Eltern, der verschiedenen sozialen Beziehungen und aller Tugenden." Edkins erwähnt, daß sie die Verehrung der Thora und das Halten des Sabbaths noch geübt haben. Vor der Zerstörung der Synagoge haben jährlich im Herbst Prozessionen um die Synagoge stattgefunden, bei denen die Thorarollen umher getragen worden seien. Die Exemplare der Thora, die in der Gemeinde vorhanden waren, waren auf Schaffeil geschrieben, seien aber nicht sehr alt gewesen. Der letztere Umstand beweist, daß die Verbindung mit der Heimat im Westen noch lange bestanden haben muß. Die Manuskripte sind mit der Zeit alle weggebracht worden und befinden sich heute in englischen und amerikanischen Bibliotheken, u. a. in Hongkong. Nicht nur mit Persien, sondern auch mit den anderen jüdischen Kolonien in China sei ursprünglicher Verkehr vorhanden gewesen. Solche Gemeinden werden erwähnt in Nanking, Hangtschou und andern Orten. Doch ist von ihnen allen nichts übrig geblieben. Heute ist die Synagoge verschwunden. Das Grundstück ist im Jahre 1912 von der „Mission of the Church of England in Canada" angekauft worden. Die Gemeinde ist unter den Chinesen aufgegangen. Doch sollen sich noch eine Reihe von Familien mit dem Familiennamen Me dort befinden, der auf die persische Form des Namens Moses deuten dürfte. Zu dem Verschwinden der jüdischen Organisationen mag wohl beigetragen haben, daß sie manche Ähnlichkeiten mit den. Mohammedanern hatten und von ihnen als Stammes- und religionsverwandt anerkannt wurden. Sie haben sich nur dadurch von den Mohammedanern unterschieden, daß ihr Turban beim 9

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