Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Die Juden in China
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 8 (sequence 6)
- Language
- German
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Richard Wilhelm bindung mit westlichen Ländern und von demselben Ming-ti wurde ja auch die Gesandtschaft nach Westen aasgesandt, die die erste Kunde des Buddhismus nach China gebracht hat Auf alle Fälle müssen später jedoch weitere Zuzüge an Einwanderern dazu gekommen sein. Während der Tangdynastie vom 7.—10. Jahrhundert wird ebenfalls von einem regen Verkehr mit dem Westen berichtet und wir wissen, daß zu jener Zeit Anhänger des Zoroaster, Manichäer und Nestorianer von Mesopotamien bzw. Persien aus nach China gekommen waren. In Tünch uang fand man im Sand alte Manuskripte, von den nestorianischen Christen ist sogar eine Steinurkunde in Sianfu erhalten. Daß damals auch jüdische Kolonisten gekommen sein können, ist sehr wahrscheinlich. Daß sie. nicht ausdrücklich erwähnt werden, beweist nichts dagegen. Es scheint, daß sie wegen gewisser gemeinsamer Religionsbräuche häufig mit den Mohammedanern verwechselt worden sind. Dies ist wohl auch der Grund, warum die Juden in Kaifengfu weder in den Bezirksannalen noch in den Kreisannalen der Umgegend erwähnt waren. Wenn sie nicht von Europäern noch personlich entdeckt worden wären, hätten wir vielleicht auch von ihnen heute keine Nachricht mehr. Jedenfalls waren Urkunden auf Stein vorhanden, aus denen sich ergibt, daß die Synagoge in Kaifengfu in den Jahren n 63—1165 erbaut und in den Jahren i£88—i5o6 repariert worden war. Das stimmt mit dem Bericht überein, daß zur Zeit des Kaisers Hsiao Tsung aus der Sungdynastie (1163 bis 1190) sich 70 jüdische Familien in Kaifengfu niedergelassen haben. Demnach stammte also die jüdische Gemeinde in Kaifengfu im wesentlichen aus jenen Zeiten. Nach den Jesuitenmissionaren sandte im Jahre i85o eine protestantische Mission chinesische Christen nach Kaifengfu, um nach der jüdischen Gemeinde zu sehen. Über diesen Besuch ist im Wylie Chinese Reporitory vol. XX. berichtet Im Jahr 1866 ging der bekannte amerikanische Missionar Dr. W. A. Martin hin und erzählt, daß noch sieben Familien vorhanden gewesen wären in der Stärke von einigen hundert Personen, und daß die Synagoge vollkommen zerfallen war. Die Angehörigen der Gemeinde waren im Typus und in den Gewohnheiten Chinesen geworden. Sie befolgten ihre alten Riten nicht mehr, außer, daß sie die Sehnen an den Hüften des von ihnen gegessenen Fleisches entfernten, weshalb sie unter den Chinesen „die Religion, die die Sehnen entfernt", genannt wurden. Ihr letzter Rabbi sei 1820 in Westchina gestorben. 8