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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Juden in China
Date
1926-04-01
Page
7 (sequence 5)
Language
German
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Die Juden in Ciiina Entwicklung ging von derselben Grundlage der Ehrfurcht aus. Aber sie wandte sich ins Metaphysische. Auch in Israel tauchten die quälenden Fragen nach der göttlichen Gerechtigkeit auf und drangen in Abgründe des Zweifels ein, wie sie nirgends schmerzhafter empfunden wurden. Aber die Seele hielt dem Ansturm der Zweifel stand und mit dem „Dennoch", wie es im 73. Psalm siegreich durch alle Wolken bricht, hat sie den Weg gefunden in die Tiefen des religiösen Lebens, die alles Irdische überdauern und überwinden. Wir sehen hier auf geistigem Gebiet eine Verwandtschaft und eine Wegscheide zugleich. Beide Kulturen treten nebeneinander und heben sich doch deutlich voneinander ab. Fragen wir nun, welches die sicheren Anhaltspunkte sind für jüdische Ansiedlungen in China. Wir stoßen bei näherem Zusehen auf eine dreifache Welle: die jüdische Gemeinde in Kaifengfu, die bagdadischen Juden und die modernen jüdischen Kaufleute und Gelehrten in China. Die Gemeinde in Kaifengfu wurde zuerst besucht von dem Jesuiten Aleni im Jahr i6x3. Noch verschiedene Male ist sie von jesuitischen Missionaren besucht worden. Im 24. Bande der Lettres Edifiantes (ed 1781 pag. 96) heißt es u. a.: „Sie haben allen Missionaren beständig gesagt, daß sie unter der Handynastie eingewandert seien und ihre Monumente sagen dasselbe." Die Handynastie begann im Jahre 206 v. Chr.; nach dieser Zeit sind also Juden nach China gekommen: sie hätten vor dem Untergang ihres Reiches dahin gehen können; aber es ist natürlicher, zu glauben, daß es erst nach der furchtbaren Katastrophe von Jerusalem gewesen sei, daß sie nach allen Seiten hin zersprengt, von Khorassan und Transoxana aus sich nach China verbreiteten. Diese Vermutung kommt selbst der Gewißheit nahe, da ich mich erinnere, daß mehrere dieser Juden versichert haben, sie seien unter der Regierung von Ming-ti angekommen. Dieser Fürst bestieg im Jahre 56 n. Chr. den Thron und starb erst im Jahre 78. Die Zeit könnte nicht besser zusammentreffen mit der Zerstörung Jerusalems, welche im Jahre 70 stattfand."*) Es sind mir keine Beweise begegnet, daß Inschriften aus der Hanzeit in Kaifengfu vorhanden waren. Der ziemlich vage Hinweis auf solche Inschriften in dem angegebenen Zitat beweist nichts dafür. Immerhin ist diese Tradition, daß um die Zeit der Zerstörung Jerusalems eine jüdische Gemeinde nach China gekommen ist, nicht unwahrscheinlich. Gerade in jener Zeit war China in Ver- 1) V. v. Strauß, a. a. O., pag. 70 f. 7

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