Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Die Juden in China
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden in China Jehova enthalten sei Gegen diese Ansicht erhob sich Stanislos Julien in der Einleitung zu seiner Laotseübersetzung. Die Frage wäre wohl damit erledigt gewesen, wenn nicht Victor von Strauß und Torney in seiner 1870 erschienenen Übersetzung des Taoteking1) auf die Ansicht von Abel Remusat zurückgekommen wäre und sie mit neuen Mitteln zu begründen versucht hätte. Er übersetzt die fragliche Stelle: „Man schaut Ihn ohne zu sehen: Sein Name heißt Ji (Gleich); man vernimmt Ihn ohne zu hören: Sein Name heißt Hi (Wenig); man faßt ihn ohne zu bekommen: Sein Name heißt Wei (Fein). Diese Drei können nicht ausgeforscht werden; darum werden sie verbunden und ßind Einer." Dabei sieht er in drei chinesischen Worten Ji, Hi, Wei, die. er als Silben nebeneinander stellt, eine Umschreibung des israelitischen Gottesnamens, wobei er nur die Konsonanten als maßgebend nimmt Er schließt dann darauf, daß entweder zur Zeit der Wegführung der zehn Stämme oder der Zerstörung des Reiches Juda sich israelitische bzw. jüdische Flüchtlinge nach China gewandt und Laotse in die Geheimnisse der biblischen Offenbarung eingeweiht haben. Allein obwohl die Möglichkeit einer israelitischen Wanderung an sich nicht widerlegt werden kann, so findet sich doch in dem uns zugänglichen Material auch nicht der leiseste Anhaltspunkt dafür. Die fraglichen Worte hatten im alten Chinesisch eine Aussprache, die von der heutigen abweicht, wodurch auch jede entfernte Ähnlichkeit mit dem israelitischen Tetragramm wegfällt. Außerdem ist für Remusat sicher im stillen die christliche Trinitätslehre hier angedeutet, die man damals ja auch in das Alte Testament hineindeutete. Die Übersetzung der Stelle muß nach den besten chinesischen Kommentaren etwa lauten: „Man schaut nach ihm, ohne ihn zu. sehen, das nennt man UnSichtbarkeit; man horcht nach ihm, ohne ihn zu hören, das nennt man Unhörbarkeit. Man faßt nach ihm, ohne ihn zu ergreifen, das nennt man Unkörperlichkeit" Durch alles soll ausgedrückt werden, daß im Tao zwar die Keime oder Urbilder von sichtbaren, hörbaren, tastbaren Dingen angelegt seien, aber in einer Weise, die noch jenseits ^on aller sichtbaren Wirklichkeit ist Der Sinn, der durch andere Stellen im Taoteking gestützt wird, ist also ohne weiteres klar und bedarf nicht der Zuhilfenahme eines Lehnwortes aus der hebräischen Sprache zu seiner Erklärung. x) Dieses Buch Lao-tse-s Taoteking von Victor von Strauß ist im Jahr 1924 im Verlag Her Asia Major, Leipzig, in einem Neudruck herausgegeben worden. 5