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Der Morgen · 1926-04-01 · Heft 1 (April 1926) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
2 (1926-1927)
Issue
Heft 1 (April 1926)
Article
Die Juden in China
Date
1926-04-01
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Richard Wilhelm Gewisse Ähnlichkeiten der chinesischen Kultur mit babylonischen Überlieferungen veranlaßten manche Forscher, die Chinesen als babylonische bzw. sumerische Einwanderer zu betrachten. Besonders Terrien de la Couperie suchte durch Sprachvergleichung solche Zusammenhänge herauszustellen, die auf gemeinsame Ursprünge führen. So suchte er den mythischen chinesischen Herrscher Huangti mit Kudur Nakunte zu identifizieren. Allein wir müssen diese Versuche als mißlungen aufgeben. Ganz dasselbe gilt von dem Versuch der alten jesuitischen Missionare. Als sie die Überlieferung von dem großen Yü horten, der die große Flut gebändigt habe, die alles Land überschwemmte und von dem außerdem berichtet wird, daß zu seiner Zeit der Wein erfunden wurde, da trat der Gedanke auf, daß Yü identisch mit Noah sei. Allein die Flut, um die es sich in der Geschichte des Yü handelte, ist ein deutlich lokal beschränktes Ereignis im Stromgebiet des Gelben Flusses, eine Überschwemmung großen Stils, wie sie sich im Verlauf der chinesischen Geschichte noch oft wiederholt hat, aber keine Sintflut Und der chinesische Wein ist kein Traubenwein — die Traube selbst wurde erst verhältnismäßig sehr spät in China eingeführt und trägt noch jetzt den wahrscheinlich aus dem griechischen ßo&Qvg abgeleiteten Namen Putao. So fällt auch diese Verbindung in sich zusammen. Nicht besser steht es mit der phantasievollen Ausdeutung der Sage vom König Mu (einem Zeitgenossen Salomos), der die Si Wang Mu (Königin-Mutter des Westens) auf seinen weiten Reisen besucht haben soll, durch Professor Forke in Hamburg. Der verdienstvolle Gelehrte versuchte nämlich die Königin von Saba mit der Si Wang Mu zu identifizieren, was zu der ergötzlichen Vorstellung geführt hatte, daß König Mu von Tschou und König Salomo von Israel zum mindesten eine gemeinsame Freundin gehabt hätten. Aber Professor Forke hat diese Ansicht inzwischen wohl selbst aufgegeben. Si Wang Mu ist vermutlich gar keine Person, sondern ursprünglich die Transskription des Namens einer innerasiatischen Völkerschaft So wären die Versuche, die in der ältesten Zeit Beziehungen zwischen China und Israel nachweisen wollten, wohl alle als verfehlt zu bezeichnen. In dieselbe Reihe gehört auch der Versuch, der gemacht wurde, im Taoteking von Laotse einen Nachklang der israelitischen Religion zu finden. Dieser Versuch ging aus von Abel Remusat, der in einem kleinen Aufsatz vom Jahr 1828 in den Melanges asiatiques und an anderen Orten die Theorie vertrat, daß im t£. Kapitel des Taoteking eine Anspielung auf den hebräischen Gottesnamen 4

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