Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- Heft 1 (April 1926)
- Article
- Die Juden in China
- Date
- 1926-04-01
- Page
- 3 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Juden in China Von Richard Wilhelm China ist nicht das von aller Welt abgeschlossene Land, für das man es so lange gehalten hat Die große Mauer, die sprichwörtlich geworden ist, diente nicht zum Abschluß von fremder Kultur, sondern nur dazu, um die barbarischen Einfälle der Hunnen und Mongolen von der chinesischen Kultur abzuhalten. Seit uralten Zeiten kann man daher Beziehungen zwischen China und dem Westen feststellen. So ist denn wie es scheint eine Kenntnis von China auch im Westen vorhanden gewesen. Das Land Sinim in Jes. 49, 12 ist von alters her auf China bezogen worden. Man pflegt es abzuleiten von dem Namen des westlichen chinesischen Feudalstaates Tsch'in, das im Japanischen Schin gesprochen wird. Erwähnung verdient vielleicht auch, daß die buddhistische Bezeichnung für China im Chinesischen mit den Silben „Tschi Na" umschrieben wird. Die Chinesen waren zum Westen hauptsächlich durch ihren Seidenhandel in Beziehung, weshalb sie als „Seres" (d. h. wohl Seidenleute) bei den Römern bekannt waren. In China kannte man auch den Westen. Man nannte ihn Ta Ts'in, was neuerdings als eine Transkription von Ktesiphon erklärt wird- So zeigt es sich, daß die Handelsbeziehungen, die in den Jahrhunderten vor der europäischen Zeitrechnung zwischen China und dem Westen bestanden r auch in der Literatur wenigstens vage Spuren hinterlassen haben. Allein die Frage ist, waren die ältesten Beziehungen Chinas zum Westen derart, daß man von einer irgendwie gearteten Verbindung Chinas und Israels reden kann. Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, solche Verbindungen aufzuzeigen, die aber alle bis jetzt als nicht einwandfrei begründet bezeichnet werden müssen. Wir wollen diese Versuche der Reihe nach durchgehen und untersuchen. 3