Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 702 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Eugen Täubler mit dem geschichtlichen Gefühl der Befreiung verbanden gewesen. Das ist die zweite Kraft, die im verschlossenen Sinn geschichtliches Bewußtsein lebendig erhallen und gesteigert hat Geprägte Form gewann es nur im Liede. Bis auf Davids Zeit sind nur Verse erhalten, deren Held Jahve ist: er ist es nicht nur als Verkörperung allgemeiner Vorstellungen, sondern geschichtlich: mit bestimmten Taten. Die geschichtliche Persönlichkeit ist zuerst in der Gottheit entdeckt und in individuellen Zügen gestaltet worden. Das anbetende Erstaunen über das Außergewöhnliche, Jas Wunderbare, gestaltete sich zum Hymnus. Zunächst war es nur der Eindruck vom Ganzen, der in einer knappen Zeile festgehalten wurde: „Ich will dem Herrn singen, denn hoch erhob er sich Roß und Wagen warf er ins Meer." Aber welche außerordentliche Entwicklung liegt zwischen diesen Versen des Schilflieds (nur diese Verse sind der alte Kern) und dem schon an Namen und historischen Bericht gebundenen Siegeslied über den Fall der Stadt Cheschbon und noch mehr zwischen diesem und dem Hymnus der Deborah. Die Verse über Cheschbon: „Kommt nach Cheschbon I Aufgebaut und wiederaufgerichtet werde die Stadt Sichons!" Dann geht die Erinnerung zurück, zunächst zu der alten Feindschaft: „Denn ein Feuer ging aus von Cheschbon, eine Flamme von der Stadt Sichons, Die verzehrte die Gefilde (?) Moabs und fraß die Höhen am Arnon." Dann der Weheruf über die Stadt: „Wehe dir, Moab! Du bist dem Untergang geweiht, Volk des Kemosch!" und in zwei Zeilen Kampf, Flucht, Gefangenschaft Es sind nur bildhafte Andeutungen, aber sie sind scharf erfaßt und zeigen bereits den Sinn für die Verbindung des Vorgangs mit seinen Voraussetzungen und Folgen. Soweit das im Liede möglich ist, zeigt die Bilderfolge des Deborahliedes die Reife der Entwicklung. Die Voraussetzungen des geschichtlichen Vorgangs, seine allmähliche Entwicklung, seine Gestaltung, seine Folgen, die Stimmungen vor, während und nach dem Kampfe, die der Israeliten und die der Kanaanäer, die der Feigen und die der Mutigen, die Macht der Menschen und die der Elemente, das Volk und die Gottheit, Haß und Demut — alles was in dem großen Vorgang oder durch ihn wirksam werde, klingt in dem 702