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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 701

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung
Date
1926-02-01
Page
701 (sequence 3)
Language
German
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Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung seinem Mit- und Gegenspieler macht Die Ursage schafft den weltgeschichtlichen Rahmen. Paradies, Turmbau, Völkerverteilung, Sintflut — dann ein neuer Anfang, Sage an Stelle des Mytho3, der Mensch steht im Mittelpunkt, die Gottheit spielt nur noch gelegentlich wie ein menschliches Wesen mit, der universale Rahmen ist eingeengt, Kanaan mit seiner Umwelt ist der geschichtliche Boden; die mythisch-kosmische Ursage hat sich zur Vätersage verengert Das bezeichnet aber nicht einen Entwicklungsvorgang: denn während die mythischen Sagen von den Israeliten erst auf kanaanäischem Boden (auf den sie im zweiten Jahrtausend von Babylon gekommen waren) übernommen wurden, sind die Vätersagen in ihrem Kern älter; sie spielen weniger in Kanaan als in den Siedelungen im Osten und Süden des Landes. Dort ist den Halbnomaden aus dem Alltag heraus der geschichtliche Sinn erwacht Etwas von dem ursprünglichen Empfinden hat sich in die jüngeren Erinnerungen hinübergerettet, ist in den bunten Umhüllungen jüngerer Jahrhunderte ursprünglich geblieben. In der historischen Umbildung des Mythos entwickelten sich Form und Gehalt auf kanaanäischem Boden zu größerer Reife. Lokale Traditionen wurden in das genealogische Gewebe hineingeflochten. Die Herausbildung der Stämme stellte der genealogischen Rückspiegelung neue Aufgaben. Mit der Wanderung nach Ägypten endet die Vätersage, die voll allgemeiner geschichtlicher Inhalte und auch nicht ohne besondere geschichtliche Erinnerungen ist Ein Beispiel: Gen. 47,7 (die Söhne Jakobs zum Pharao): „Wir sind gekommen, um eine Weile im Lande zu bleiben, denn deine Knechte haben nicht Weide für ihre Schafe; denn der Hunger ist schwer im Lande Kanaan. So erlaube nun deinen Knechten, im Lande Gosen zu bleiben." Brief eines ägyptischen Grenzbeamten an seinen Vorgesetzten aus der Zeit des Meneptah (c. I22Ö—1215): „Eine andere Angelegenheit zur Mitteilung an meinen Herrn: Wir haben den Durchzug der Beduinenstämme von Edom durch die Festung des Meneptah in Zeku nach den Sümpfen von (der Stadt) des Pithom des Meneptah in Zeku gestattet, um sie und ihre Herden in der Besitzung des Königs, der guten Sonne jedes Landes .... am Leben zu erhalten." Der Auszug aus Ägypten ist das Ereignis, das Jahrhundert um Jahrhundert als historische Erinnerung innerhalb der jüdischen Geschichte am stärksten auf die Wirklichkeit zurückwirkte. Das Freiheits-Gefühl, das wie ein heißer Atem durch die alte jüdische Geschichte hindurchgeht, ist immer zu innerst 701

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