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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 700

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung
Date
1926-02-01
Page
700 (sequence 2)
Language
German
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Eugen Täubler und der geschichtlichen Darstellung die Entwicklung bei Ägyptern, Babyloniern, Assyrern, Juden, Griechen und Römern verfolgt wird. Der Anfang des Ausschnitts knüpft an folgende, das Vorhergehende abschließende Sätze an: „Es ist das natürliche Ende, daß die Entwicklung geschichtlicher Aufzeichnungen in Babylonien wie in Ägypten in der früh-hellenistischen Zeit mit der gelehrten chronographischen Zusammenfassung alles dessen, was sich aus älteren Urkunden und Traditionen zusammenarbeiten ließ, endet; neben dem Ägypter Manethon steht der Babylonier Berossos. Der Blick geht ohne innere Entwicklung vom Ende an den Anfang zurück. Weder die Kunst noch die Wissenschaft haben die früh erwachten Formen höfischer Annalistik und gelehrter Chionislik auf eine höhere Stufe der Geschichtschreibung gehoben." Diese wird erreicht, wenn die beobachtete Zeitgeschichte durch ein persönliches Temperament hindurchgeht und zum Kunstwerk wird. Innerhalb unseres Kulturkreises verwirklichte sich dies zum erstenmal bei Israeliten imd Juden in der Zeit des jungen Königtums. Als ältestes Stück zeitgeschichtlicher Niederschrift kann die Geschichte von der Empörung des Absalom gelten. Die Sage ist überwunden. Kein Zug in dem Bilde, der nicht der Wirklichkeit abgelauscht wäre, alles von einem Mann erzählt, der die Vorgänge miterlebte, alles so erzählt, daß man Menschen menschlich handeln sieht und das Lesen noch heute zum Miterleben wird. Der geschichtliche Prozeß ähnelt ganz dem aus der Zeit der griechischen und der italienischen Tyrannis: der nicht geheimnisvoll mit den Göttern verbundene, sondern vor den Augen des Volkes emporgestiegene Herrscher wird als Individualität empfunden; in den anekdotischen Zügen seines Handelns und seines Leidens spiegelt sich der außerordentliche Mensch; an" der starken Persönlichkeit erwacht der Sinn für die geschichtliche Wirklichkeit und das geschichtliche Selbstbewußtsein. Wie in Griechenland können wir in Juda und Israel auch noch die älteren Stufen dieser Entwicklung in der geschichtlichen Sage, im historisierenden Mythos, im geschichtlichen Hymnos, im Heldenlied, in der knappen historischen Notiz erkennen. Die Entwicklung drängt sich in zwei Jahrhunderte zusammen. Der abgeblaßte hebräische Mythos ist nicht im eigenen Volkstum erwachsen. Aber darum ist es nicht weniger bezeichnend, wie der geschichtliche Sinn, der sich an den Fragen nach dem Woher, nach dem Wie und Warum von Welt und Mensch entwickelt, das was im echten Mythos im Rat und im Kampf der Götter geschah, dem Schöpferwillen des einen Gottes zuspricht und den Menschen zu 700

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