Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Die Anfänge der biblischen Geschichtsschreibung
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 699 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Anfänge der biblisdien Gesdiiditssdireibung Von Eugen Täubler Nur an zwei Stellen hat sich innerhalb unseres Kulturkreises das Aufzeichnen geschichtlicher Erinnerungen zu einer höheren Form der Geschichtsschreibung entwickelt, bei Juden und Griechen. Sowenig wie Inder und Chinesen sind Ägypter, Babylonier, Assyrer und, soweit sie von Griechenland unbeeinflußt blieben, auch die Römer über das bloße chronistische Festhalten einzelner Nachrichten hinausgekommen, und wie die mittelalterliche Geschichtsschreibung nur eine Fortführung spätrömischer Chronistik ist, so hat sich die moderne Geschichtsschreibung, in der Kritik wie in der Darstellung, von der Renaissance an auf den antiken Grundlagen entwickelt. Während die griechische Gesichtsschreibung in der Zeit der jonischen Wissenschaft den Schritt zur kritischen Besinnung machte und sich in den sophistischen Schulen zu einer Wissenschaft entwickelte, blieb die biblische Geschichtsschreibung im Zustand ihrer höchsten Entwicklung bei der individuell erfaßten, künstlerisch gestalteten Wiedergabe des Vorgangs in der Legende und Novelle stehen. Zwischen trockener Annalistik und wissenschaftlich-kritischer Geschichtsschreibung steht also die in den früh-biblischen Schriften erreichte Stufe in der Mitte. Die kurze Charakteristik ihrer Entwicklung und ihrer Eigenart, die im Folgenden versucht wird, ist (ohne die Anlage) ein Ausschnitt aus einer Studie über die Anfänge der Geschichtsschreibung1), in der nach prinzipiellen Erörterungen über die Anfänge und die Formen des geschichtlichen Bewußtseins!) Noch nicht veröffentlicht. 699