Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Rabbi Akiba
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 695 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbi Akiba eine Richtung. Von allen Seiten strömten begeisterte Scharen dem Bar Kochba zu, das ganze Land entbrannte, die selige Endzeit war ganz nah gerückt. Nur wenige schienen den Wahnsinn zu sehen, daß dies kleine Volk gegen die Weltmacht Rom aufstand. Eine grämlich klagende Stimme erhob sich gegen Akiba: „Du wirst gestorben und begraben sein und Gras wird aus deinen Kinnladen wachsen und der Messias ist immer noch nicht gekommen," — aber er konnte nicht hören. Denn schon entwickelte es sich ja vor allen Augen und Ohren, das Unmögliche geschah, Bar Kochba gewann Sieg auf Sieg gegen die Römer. Der vereinigten Glut nationalen und religiösen Empfindens hielten die Söldnerheere nicht stand, sie wichen, und Bar Kochba nahm fast das ganze Land in Besitz. Zwei Jahre lang unternahmen die Römer nichts oder nur Unglückliches gegen den neuen jüdischen König. Dann aber rafften sie ernstlich ihre Macht zusammen und der beste Feldherr wurde aus Britannien zurückberufen, gegen die Juden anzugehen. Bar Kochba hatte das Land wohl befestigt, er selbst hielt die volkreiche Festung Bethar. Die ganze Bevölkerung war von Siegeszuversicht erfüllt, sogar die Kinder der vielen Schulen sagten: „Wenn die Feinde kommen, so durchbohren wir sie mit unsern Griffeln." Bar Kochba aber, im Gefühl unendlicher begeisterter Kräfte und vom Taumel des Volks getragen, rief aus: „Möge Gott uns nur nicht hindern, so braucht er uns auch nicht zu helfen." Von Rabbi Akiba erfahren wir aus dieser Zeit nichts, doch wir denken ihn in leidenschaftlicher Teilnahme an den Siegeh und der Gründung des Reichs. Aber als Bar Kochbas Mut so zu Übermut geworden war, da wird er, der die tiefste Quelle der Kraft wohl wußte, erkannt haben, daß hier das Heil nicht zu finden war. Bar Kochba fiel mit Bethar und den Seinen. In Strömen von Blut ertrank die Begeisterung der Freiheit und die heiße Hoffnung auf die nahe selige Endzeit Die Sage erzählt: Als der römische Feldherr den Leichnam des gefallenen Königs sah, sprach er: „Wahrlich, wenn sein Gott ihn nicht gefällt hätte, wir hätten nichts über ihn vermocht." Dies Wort, dem Römer in den Mund gelegt, ist die letzte jüdische Klage um den Helden, der aufstieg und unterging wie ein leuchtender Komet und nichts zurückließ als Blut und Wehe und die halberstickte Hoffnung auf den wahren Stern Jakobs. Noch nicht siebzig Jahre nach der furchtbaren Katastrophe von Jerusalem hatte sich das Volk zu diesem Verzweiflungskrieg aufgerafft Die Römer sahen hier einen Herd immer neuer Verwicklungen und beschlossen, 695