Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Rabbi Akiba
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 694 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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E. Schubert-Christaller aber euer Reden wird nicht vor ihm bestehn. — „Rabbi Akiba stieg hinauf in Frieden und kam herab in Frieden. Doch auch ihn suchten die Engel niederzustoßen. Gott aber sprach: Laßt diesen Greis, denn er ist ausersehn, zu meiner Ehre zu dienen." Von den Vier bewies Akiba die größte Demut: die Grenzen des Menschlichen zu erkennen und zurückzukehren zu dem Teil, das Gott den Menschen gab: zu dienen zur Ehre Gottes. — Als er, der Gefahr entronnen und um die verlorenen Genossen trauernd, wieder in seiner Arbeit stand, begann er die gefährliche Lehre zu verzäunen und zu ummauern, daß nur reife erprobte Schüler unter Anleitimg einsichtiger Lehrer sich damit beschäftigen konnten. Und er lehrte — verwerfend und tröstend —: „Nach der Fülle der Taten werden die Menschen gerichtet — nicht nach der Erkenntnis." Erst als er von dem Gang ins Paradies zurückgekehrt war, hatte Rabbi Akiba seine volle Größe erreicht Auch dieser hohe Geist fand seine Vollendung im Sichbescheiden. Neunzig Jahre alt war Rabbi Akiba und stand immer noch kraftvoll im Werk, nach dem Tod Rabban Gamaliels und Rabbi Josuas als Oberhaupt des Lehrhauses. Keine Müdigkeit des Alters war über seinen Tatendrang gekommen. Die wachsende Unterdrückung durch die Römer fand er unerträglich, er war weit entfernt, Rabbi Josuas vorsichtig kluge römerfreundliche Politik fortzusetzen. Die Lehrer hatten sich im allgemeinen in die Fremdherrschaft gefunden: die Lehre ist das wichtigste, sie gedeiht nur im Frieden, und Frieden hat, wer sich den Römern fügt — so war ihr Gedankengang. Er aber konnte den Mann nicht hinter dem Gelehrten zurückstellen. Die Heilsverheißungen der Propheten berechtigten ihn, das Glück seines Volkes zu erwarten, aber er konnte nicht geduldig und untätig warten. Unter dem Vorwand von Vorträgen durchreiste er die Länder und fachte unter den Juden die überall vorhandene Mißstimmung zu Flammen an. Auf diesen Reisen begegnete ihm auch Simon bar Kosiba. Wer und was der Mann war, ist unbekannt, selbst sein Name steht nicht fest: er war ein edler Held und liebte sein Vaterland. Als Rabbi Akiba ihn sah, erkannte er in schnellem Ahnen, daß dieser Mann zum Rrennpunkt der überall schon lodernden Empörung werden müßte, daß durch ihn Großes geschehen mußte, und überwältigt vom Blick auf die edle Gestalt des Helden und von der Hoffnung auf das nahe Heil seines getretenen Volkes, rief er aus: „Da ist er ja, der König Messias! Fürwahr, du sollst von nun an Bar Kochba heißen, denn du bist der Stern, der aufgehn soll über Jakob." Diese Anerkennung Rabbi Akibas gab der ganzen Bewegung 694