Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Rabbi Akiba
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 692 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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E. Schubert-Christaller Summe Geldes geben, verteilte sie unter die Armen und führte ihn dann durch die Hütten der Elenden, denen er geholfen: er hatte ihm das Gut der Güte erkauft, und tief ergriffen erkannte Rabbi Tarphon die edle Gesinnung. Bei all diesen Eigenschaften eines echten Weisen war in ihm keine Askese, sondern sein Leben war den Freuden der Welt aufgeschlossen. Trotzdem er Leichtsinn streng verurteilte, war seine Lebensrichtung durchaus heiter und zuversichtlich und die Glücksverheißungen der Propheten waren ihm lieb. Als er auf einer Reise an dem verwüsteten Tempel vorbeikam und seine Gefährten in Bitterkeit weinten, sah seine starke Hoffnung in dem erfüllten Unheil ein Pfand für das verheißene Heil, und er tröstete damit seine Genossen. Seltsam kindlich steht seinem großen Geist eine Neigung zu Prunk. Es wird berichtet von dem prachtvollen Schmuck seiner Frau, von goldnen und silbernen Tischen in seinem Haus und goldenen Stufen zu seinem Lager. Doch war es nicht der Reichtum an sich, den er schätzte, sondern eben die Schönheit des Glanzes. Bedürfnis wurde er ihm nicht Einst sprachen die Weisen davon: „Wer ist reich?" und einige stellten Berechnungen auf, wieviel Besitz dazu gehöre, daß einer reich genannt werde. Rabbi Akiba aber sagte: „Reich ist, wer eine Frau hat, die schön ist in ihren Werken." Aber in all seiner Zugänglichkeit für die Freuden der Welt bewahrte er sich doch seine natürliche Keuschheit. Sein warmherziges Wesen brauchte als Boden ein häusliches Glück. „Wo Mann und Weib unsträflich beieinander sind, da ist die Gottesgegenwart zwischen ihnen — aber wo sie nicht rein sind, da ist ein Feuer zwischen ihnen und frißt sie," sagte er. Als seine Frau starb, schritt der an der Schwelle des Greisenalters noch Kraftvolle schnell zu einer zweiten Ehe. „Tochter, mich hat die Kälte des Alleinseins erfaßt, ich muß wieder freien," läßt ihn die Legende sagen. Diese zweite Ehe mit einer sehr schönen Proselytin fiel anscheinend unglücklich aus — doch läßt sich aus den märchenhaft entstellten Berichten nichts Näheres sagen. An seinen Schülern erlebte er nicht viel Freude. Die brüderliche Eintracht in Rabbi Eliesers Schule, in der es sich nur darum handelte, schlicht zu lernen und zu überliefern, war in Rabbi Akibas Schule nicht zu finden. Seine Methode der scharfsinnigen Forschung und freien Entwicklung hatte einen gegenseitigen Wetteifer zur Folge, in dem jeder mißgünstig und neidisch auf den andern schielte. Nichts von der Bescheidenheit, Verträglichkeit und Hilfsbereitschaft ihres Lehrers war bei ihnen zu finden. Zu dem unerfreulichen Verhältnis 692