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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 690

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Rabbi Akiba
Date
1926-02-01
Page
690 (sequence 4)
Language
German
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E. Schubert-Christaller lebend, der einzige unter den Weisen war, dem das Volk Zutrauen entgegenbrachte. Er nahm sich Akibas an und ermunterte ihn, aas seiner Verschlossenheit hervorzutreten. Sein eigenes ärmliches Lebensgefühl erlaubte ihm nicht, energisch aufzutreten gegen die, die ihn in Schatten stellten, doch konnte er den kraftvollen Akiba vorschieben. Als nun Akiba — nach vielen Jahren — im Unterricht die erste Frage stellte, da zeigte er soviel Kühnheit, Freiheit und Selbständigkeit, daß Rabbi Elieser ratlos war, und Rabbi Josua, der gerade zugegen war, schadenfroh sagte: „Hier ist ja einer von denen, die du mißachtest, — auf, kämpfe doch mit ihm!" Von nun an machte Akiba seinen Weg im Sturm. Da er nicht ehrgeizig war, genügte es ihm nicht, in Rabbi Eliesers Schule der erste zu sein, er wollte lieber, wenn auch als zweiter oder dritter, etwas Tatsächliches schaffen und ging nun offen ins andere Lager über. Den Versuch Nachums, rein grammatische Partikeln als eine Aufforderung zum Denken und Anleitungzum Entwickeln neuer Gesetze zu betrachten, machte er sich zu eigen und dehnte ihn konsequent über die ganze Thora aus, daß er so einen weiten Schaffensraum gewann, in dem er mit seinem kräftigen, unbeengten Geist für viele folgende Generationen die Linien zog. — Unser Gefühl freilich sträubt sich oft gegen seine Lehrweise, wir spüren nichts darin von seiner starken Persönlichkeit. Doch können wir aus dem literarischen Niederschlag nicht ermessen, was sie war, beseelt vom Geist ihres Schöpfers und einherstürzend über eine erstarrende Lehrmeinung. Er wurde bald ordiniert, die Schüler strömten ihm zu und die Lehrer beschäftigten sich mit ihm. Er bemächtigte sich kraftvoll gestaltend der formlosen Menge der Lehrüberlieferungen und brachte sie in eine systematische Ordnung, die das gedächtnismäßige Lernen erleichterte, und verknüpfte zugleich die mündliche Lehre mit den Gesetzen der schriftlichen, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Neue Möglichkeiten taten sich auf- Ein frischer Zug erregte alle Schaffenskräfte. Mit zunehmender gesellschaftlicher Sicherheit hat er auch den Zwang seines Wesens fallen lassen, und wen sein Geist nicht bezwang, der erlag seiner großen liebenswerten Persönlichkeit. Rabbi Josua rief begeistert: „Wer nähme die Erde von den Augen Rabbi Jochanans, daß er dies sähe!" und der edle Rabbi Tarphon war nicht zu stolz, seine persönliche Freundschaft zu suchen und sprach mit leidenschaftlicher Innigkeit: „Akiba, wer von dir weicht, der weicht vom Leben." Selbst Rabbi Elieser, dem solch freies Walten mit der 690

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