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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 689

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Rabbi Akiba
Date
1926-02-01
Page
689 (sequence 3)
Language
German
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Rabbi Akiba Weib wegstoßen, er aber wehrte es ihnen und sprach: „Laßt sie, denn meine und eure Weisheit ist ihre Weisheit" Der Vater aber, den die Not der Tochter schon längst erbarmt hatte, versöhnte sich mit dem berühmten Schwiegersohn und gab ihm die Hälfte seines Guts. — So war Rabbi Akiba zu Reichtum und Ehre gekommen. Seiner Frau aber vergaß er nicht die Opfer, die sie gebracht hatte, er ehrte sie hoch und ließ ihr den versprochenen prächtigem Goldschmuck machen, und auch aus manchem liebevollen und rühmenden Ausspruch über Ehe, Liebe und Frau ist das warme Glück seines Hauses durchzufühlen. Im Licht der Geschichte erscheint Akiba erst, als er, vierzig Jahre alt, in die Schule Rabbi Eliesers eintrat. Einstweilen aber war dort wenig von ihm zu bemerken. Noch war in ihm der ^Vunsch, zu beißen, doch hielt er ihn wie sein ganzes personliches Wesen in strengem Zwang verborgen, um in dieser, fremden Welt nicht durch falsches Benehmen sich bloßzustellen und sich selbst zu hindern. In äußerster Bedürfnislosigkeit lebend, brauchte er keinen Menschen. So saß er in der Schule schweigend, ohne mit Frage oder Antwort am Unterricht sich zu beteiligen, in immer wachem Mißtrauen den Lehrer betrachtend und hinter jeder Unverständlichkeit eine Überlistung witternd. Nichts nahm er auf Autorität hin an. Seine Mitschüler konnte er in Zweifelsfällen nicht fragen, da er ihnen auch mißtraute, weil sie zu der andern Klasse gehörten und er sich vor ihnen bloßzustellen fürchtete. So ging er jedesmal nach dem Unterricht einsam für sich, nahm das Gelernte nochmals durch und rang mit Zähigkeit seinem noch schwerfällig arbeitenden Verstand ein selbständiges Begreifen ab. So abseits gehend, fand er eigne Wege und obwohl er immer noch wie zuvor schweigsam und immer noch etwas rauh und ungeschliffen dasaß, war er doch verwandelt, ein Gefäß voll verborgener Revolutionen, die eines Tages diese Schule sprengen sollten. — So über den engen Gesichtskreis Rabbi Eliesers hinausgewachsen, hörte er nun auch bei andern Lehrern und besuchte die Schulen von Rabbi Tarphon, Nachum von Gimso und Rabbi Josua. Diese Schulen standen alle drei mehr oder weniger auf dem Boden der Schule Hillels; Nachum schoß mit einem kühnen Versuch sogar über die Grenze, während Rabbi Josua es mit der durch Rabbi Elieser einflußreichen Schule Schammajs nicht verderben wollte und einen vermittelnden Standpunkt einnahm. Der sehr reiche und vornehme Rabbi Tarphon mißachtete freilich den proletarischen Schüler, aber Rabbi Josua gewann sein Vertrauen, wie er über haupt, häßlich und als Nagelschmied in sehr bedrängter materieller Lage 689 43*

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