Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Rabbi Akiba
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 688 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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E. Schubert-Citristaller tigen goldnen Kopfschmuck schenken, darauf die Türme von Jerusalem abgebildet sind." Und in aller Armut fehlte ihm nicht die schlichte natürliche Freude am Wohltun. Einst kam ein Armer und bat um etwas Stroh für sein neugeborenes Kind. Da sprach Akiba zu seiner Frau: „Sieh, dieser Mann hat nicht einmal Stroh. Wie gut geht es uns!" — Der arme Hirte, der die Hälfte seines Bettstrohs wegschenkte, war der nicht wohltätiger als der Reiche, der seinen Überfluß in seine Hand nahm und daraus ein kühles Almosen machte? Rahel sah, sie hatte gut gewählt Aber wie sie ihn kannte, so wünschte sie ihn auch von andern anerkannt, und sie bat ihn: „Widme dich der Lehre." Das war nun freilich ein starkes Verlangen. Akiba, wie viele vom Volk, hatte eine kräftige Abneigung gegen die Weisen, die in Ehren und Würden standen, dem armen Volke aber immer neue Erschwerungen, neuen Zwang auflegten. Daß in diesem Zwang geistige Güter vermittelt werden sollten, erkannten sie nicht, sie fühlten nur die Last. Rabbi Akiba selbst erzählte später seinen Schülern: „Als ich noch vom ungebildeten Volk war, haßte ich die Weisen, und ich dachte: begegnete mir nur einmal einer, ich wollte ihn anfallen und beißen wie ein Esel." Den Schülern schien dieser Vergleich zu stark und sie mahnten: „Rabbi, sage lieber wie ein Hund." Er aber erwiderte: „Nein, denn wenn ein Hund beißt, bleiben die Knochen ganz, aber wenn ein Esel beißt, brechen auch die Knochen." Diesen ungefügen Haß zu überwinden, war die ganze Überredung und Bitte seiner liebenden und geliebten Frau nötig. Akiba wußte, wieviel sie aufgegeben hatte um seinetwillen ohne Klage, und er gab ihr nach. Zuerst ging er mit seinem kleinen Sohn zusammen in die Kinderschule, um lesen zu lernen, seine große, derbe Gestalt krumm zwischen die Knaben duckend. Danach zog er nach Lydda in Rabbi Eliesers Schule. Rahel aber verdiente den Unterhalt für sich und ihr Kind als Wäscherin und legte sich alle Entbehrungen auf, um ihren Mann unterstützen zu können. Nach vielen Jahren kehrte Rabbi Akiba, nun gelehrt und berühmt, mit großem Gefolge von Schülern zurück, und die Ältesten der Stadt gingen ihm entgegen. Da machte sich auch Rahel auf, ihm entgegen zu gehen. Die Nachbarinnen sagten, halb mitleidig, halb spöttisch, sie könne doch in ihrem schlechten Kleid ihm nicht entgegen gehen, sie aber erwiderte mit tapferer Demut: „Der Gerechte kennt die Seele seines Viehs, und der große Rabbi weiß, warum ich schlecht gekleidet bin." Als sie zu ihm kam, warf sie sich vor ihm nieder und küßte seine Füße. Die Schüler wollten das ärmlich gekleidete 688