Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Rabbi Akiba
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 687 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbi Akiba Von Else Schubert-Christaller Dies soll keine rein wissenschaftliche Arbeit sein. Sondern aus den zerstreuten Spuren, die das Wesen und Leben Rabbi Akibas in der Aggada zurückgelassen hat, habe ich ein Bild seines Lebens zusammengefügt. Dabei ist wohl die tatsächliche Bedeutung seines Wirkens etwas in den Hintergrund getreten. Denn es ist gebunden in eine Zeit, die zu verstehen und mitzuerleben uns Heutigen etliche Voraussetzungen fehlen. Doch eins fehlt uns nicht und wird uns nie fehlen: das Gefühl für ein ernstes, starkes und geschlossenes Menschenleben, das über alle Zeitbeschränkungen hinweg zu uns redet. Scheinbar unvermittelt war Rabbi Akiba in seinem Zeitalter erschienen und nahm Menschen und Entwicklung in Besitz. Seine Hand wies Zukünftiges, sein Schaffen galt kommenden Geschlechtern, in seiner drängenden Gegenwart konnte niemand rückwärts schauen. Als spätere Zeiten nach seinem Anfang fragten, war der schon verschüttet, und nur die Legende fand, sein Wesen rückwärts dichtend, Bilder seiner Jugend. So hat sie ihn gesehen wie er, ein armer ungebildeter Hirt, der Sohn eines Proselyten, die Kuhherden eines reichen Mannes hütete. Die Tochter seines Herrn aber, die schöne und fromme Rahel, gewann ihn lieb um seiner Bescheidenheit, seines reinen Sinnes and reichen Gemüts willen. Sie erkannte wohl, daß die Keuschheit. des armen Hirten ihr mehr Glück versprach als aller Reichtum der Großen, und sie verlobte sich ihm. Der Vater, ergrimmt über ihre niedrige Wahl, verstieß und enterbte sie, und sie folgte Akiba in seine Armut Akiba suchte ihr mit allen. Mitteln seiner Güte den herben Wechsel zu erleichtern. Sie schliefen im Stroh, und des Morgens las er der feingewöhnten Frau die Halme aus den Haaren. Dabei sprach er zu ihr: „Wenn ich es vermöchte, ich würde dir einen präch- 6S7 43