Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 678 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895458-2896561--00806-2896646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B. Jacob des Landes mit Achtung und Liebe begegneten: einem Abraham und Isaak die Hethiter und Philister, die mit ihnen Freundschaftsbündnisse schließen, einem Joseph und den Seinen der Pharao. Die Geschichte der Erzväter ist die eindrucksvollste Schutzschrift für den nichtisraelitischen Fremdling, wie späterhin die Erzählung von der Knechtschaft in Ägypten für den Knecht Die letzten Gründe für den Verlauf der Geschichte Israels sind sittlicher Nator. 5. Die Erzväter haben also dieses Land noch nicht besessen und keines der gewöhnlichen Mittel angewandt, es an sich zu bringen. Sie haben keine Ähnlichkeit mit den meisten Volksbegründern, wie sie uns Geschichte, Sage oder Dichtung vorzuführen pflegen. Sie sind keine Übermenschen. Vielleicht das einzige Moment, über das man schwer hinweg kommt, sind die noch immer überhohen Lebensalter, von denen die Thora um ihrer Zeitrechnung willen nicht abgehen konnte, und die sich daraus ergebenden Unwahrscheinlichkeiten. Aber es wird sich wohl noch niemand die Erzväter als überlebensgroß vorgestellt haben. Sie sind wirkliche Menschen, die sich unter wirklichen Menschen bewegen. Es sind Hirten, die mit ihren Herden und Zelten wandern oder sich für längere Zeit seßhaft machen, Familienhäupter mit mehr oder weniger Anhang, semitische Scheichs oder Emire. Es mangelt ihnen weder an Würde noch an Kraft, ja wo es gilt, an Heldensinn und Opfermut, aber sie sind friedliche Männer, die Streit und Kampf solange wie möglich meiden, weil sie wissen, daß sie sich für die Zukunft erhalten müssen und nicht vorzeitig opfern dürfen. Sie müssen, um sich als alleinstehende Menschen in dieser Welt, wie sie beschaffen ist, zu behaupten, in Gefahr und gegenüber der Gewalt und Bosheit, Klugheit und bisweilen selbst List anwenden. Gerade, daß die Thora dies nicht verschweigt, ist ein Zeugnis ihrer Wahrhaftigkeit. Sie stellt keine vollkommenen menschlichen Vorbilder auf, weil es nach der Überzeugung der Bibel keinen vollkommenen Menschen gibt. Solche innere Unwahrschein] ichkeit würde den Zweifel an der Geschichtlichkeit der Erzväter berechtigter erscheinen lassen als alle äußeren Anstöße. Andererseits haben der Umstand, daß wir zu den Erzvätern von der Urgeschichte herkommen und nur wenige Seiten dazwischen liegen, sowie die Art der Darstellung und schließlich auch gewisse Lehrmeinungen zu der falschen Vorstellung geführt, daß wir uns mit ihnen noch in den Anfängen der Kultur befinden. Selbst die später in Kanaan emdringenden Israeliten zeichnet man als halbwilde Nomaden, die aus der kulturlosen Wüste hervorbrachen und erst im Laufe der Geschichte in eine höhere Gesittung hineinwuchsen. Die Erzväter waren umherschweifende Beduinen- 678