Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 673 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Einführungen in das erste Buch Mose deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs . . . ich habe das Elend meines Volkes, das in Ägypten ist, wohl gesehen . . . darum habe ich mich aufgemacht, es aus der Gewalt Ägyptens zu befreien und aus jenem Lande in ein gutes und geräumiges Land, ein Land, das von Milch und Honig fließt, den Sitz des Kanaaniters, zu führen." Und als Mose wissen will, was er den Israeliten auf die Frage nach dem Gotte, der ihn sendet, erwidern soll, erhält er die Antwort: so sollst du zu den Kindern Israels sagen: Der Ewige, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt Dies ist mein Name für ewig und dies mein Ruf für alle Geschlechter." Und weiterhin redet die Gottheit zu ihm: „Ich bin der Herr! Ich offenbarte mich dem Abraham, dem Isaak und dem Jakob als „der Allmächtige" (El Schaddaj), aber ich habe mich von ihnen nicht erfahren lassen nach meinem Namen: ,Ich bin der Herr! (JHWH).' Ich habe aber meinen Bund mit ihnen errichtet, ihnen das Land Kanaan zu geben, das Land ihrer Fremde." Der Gott, als dessen Gesandter Mose auftritt und sein Volk befreit, ist also kein ihnen unbekannter neuer Gott, kein Gott Moses, sondern der Gott der drei Urväter, von denen es selbst abstammt Damit ist sogleich ein hervorstechender Zug in der Religion Israels und seiner Geschichte gegeben. Als neue Lehren auftretende Religionen, z. B. das Christentum und der Islam predigten heidnischen Völkern, zu denen sie kamen, einen ihnen bisher unbekannten Gott. Sie verlangten einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit und dem volkstümlichen Wesen und Herkommen. Daraus ergab sich ein bei den meisten Völkern heute noch nicht beendeter Kampf der neuen Lehre mit dem alten Glauben, der sich deswegen so zäh behauptet, weil er in dem naturgegebenen Volkscharakter wurzelt, wenn er sich auch, als Aberglaube gebrandmarkt, in die Niederungen des Volkslebens hat zurückziehen müssen. Dort lebt noch immer ein volkstümliches uraltes Heidentum fort, so daß es fast unmöglich scheint, daß ein Volk wirklich bekehrt werden könne. Israel ist diesem Schicksal entgangen. Seine Religion und sein volkstümliches Dasein haben denselben Anfang. Seine Erzväter sind zugleich die Stifter seines Glaubens. Auch die griechische Philosophie gelangte in einer jahrhundertelangen Entwicklung zu einer verhältnismäßig hohen und reinen Gottesvorstellung, aber auf die Volksreligion hatte dies nicht den mindesten Einfluß, und die römische Staatsreligion hielt bis zuletzt an ihren abergläubischsten Riten fest, mochten auch die Auguren sich bei einer Begegnung verständnisvoll zuzwinkern. In Israel war 673 42*