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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 672

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1926-02-01
Page
672 (sequence 2)
Language
German
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B. Jacob fördern und schützen konnten, widmete man ihnen geradezu einen Gottesdienst Besonders starke Beispiele dafür sind die alten Römer, die die verstorbenen Vorfahren als „Manen" oder „Laren" göttlich verehrten, und noch heutigen Tages Chinesen und Japaner. Von alledem ist in der echten Religion Israels keine Spur. Die Verehrung der Toten ist in ihr kein irgend gearteter Bestandteil, man betet nicht zu ihnen, man wallfahrtet nicht zu ihren Gräbern, man feiert sie nicht Man kann nur darum trauern, daß sie nicht mehr leben. Sie können nichts mehr tun, und nur was sie hier auf Erden getan und geleistet haben, kann in Betracht kommen. Um so merkwürdiger erscheint es, daß, soweit wir übersehen, kein Volk der Erde etwas Ähnliches hat wie dieses Epos von den Urvätern Israels. Die Verehrung der Vorfahren galt nur den Ahnen der Familie oder des Geschlechts. Von Stammesheroen oder Volks- und Städtegründern hatte man wohl Sagen oder Mythen, ihre Namen waren meist aus den Volksnamen abgeleitet, wie Hellen von den Hellenen, Romulus von den Römern, Teut von den Deutschen, aber eine so durchgebildete einheitliche Ahnengeschichte der ganzen Volksgemeinschaft hat kein Volk. Hatte keines ein so einheitliches Nationalbewußtsein? Oder kamen die Dichter zu spät? Die großen nationalen Epen behandeln Dinge, die an diesem größten Gegenstand gemessen oft nur von ganz geringer Bedeutung sind. Der Glanz der Dichtung darf nicht darüber täuschen, daß z. B. dem größten Epos der Griechen, der Dias des Homer, die mindestens den doppelten Umfang wie die ganze Thora hat, ein höchst dürftiges Thema zugrunde liegt: die Belagerung der Stadt Troja, um ein ihrem Manne entlaufenes Weib zurückzuholen, oder der Zorn des Achilles wegen einer ihm bei der Beuteverteilung vorenthaltenen Sklavin. Die Nibelungen handeln von dem Streit zweier Weiber und alles dreht sich um das schnöde Gold. Würdiger dem Gegenstande nach ist schon das Gedicht des Römers Virgil, dessen Held Aeneas seine geretteten Hausgötter von Troja nach Latium bringt und der Ahn des Augustus wird, in dessen Auftrage es übrigens verfaßt ist. Auch das Riesenepos des persischen Dichters Firdausi, das mit seinen sechzigtausend Doppelversen noch mehr als siebenmal so umfangreich wie die Ilias ist, ist nur ein Gesang von den Herrschern, nicht dem Volke, und so viele andere. Diese Einzigartigkeit der israelitischen Vätergeschichte in Gegenstand und Aufbau wird meist ganz vergessen über der Vergleichung von Einzelheiten mit fremden Sagen. 2. Die Erklärung erhalten wir im zweiten Buche. Als Mose sich dem brennenden Dornbusch nähert, da hört er eine Stimme: „Ich bin der Gott 672

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