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Der Morgen · 1926-02-01 · Heft 6 (Februar 1926) · p. 645

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 6 (Februar 1926)
Article
Nachahmung Gottes
Date
1926-02-01
Page
645 (sequence 8)
Language
German
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Nachahmung Gottes Und wieder antwortet uns einer der Meister des Talmuds, der Mischna diesmal, einer aus der Zeit nach Hadrians Tod, noch wundersamer als R. Acha: Abba Schaul, ein Riese an Wuchs, seinem Gewerbe nach Bäcker im Haus des Patriarchen, der Mizwa nach, deren Erfüllung vor allen andern er sich ergab, mit der Bestattung von Toten befaßt, aus welchem Bezirk er die seltsamsten Beobachtungen zu erzählen wußte, ein Mann des Gebets, der das Psalmwort (10, 17) „Das Verlangen der Gebeugten vernimmst du, Herr, du befestigst ihr Herz, du lässest dein Ohr merken" offenbar aus persönlichster Erfahrung dahin erklärte, in der Befestigung des Herzens bekunde sich die Erhörung. Er nun pflegte*) zum Gotteswort „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Herr, euer Gott" zu bemerken: „Dem königlichen Gefolge (eigentlich Familie, iT^ÖS* geziemt es, den König nachzuahmen." Aber tiefer in seine Anschauung der imitatio Dei führt uns ein andrer seiner Sprüche ein. Er geht von einem Vers des Lieds aus, das Mose und ganz Israel nach dem Gang durch das Meer sangen (II M. i5, 2):ini3XT,^n?, der etwa durch: „Dieser ist mein Gott, ihn will ich preisen" wiederzugeben ist Aber Abba Schaul faßt das umstrittene Wort im3X1 anders2): Ich will ihm gleich werden, oder: ich will mich ihm angleichen. Worauf die Deutung beruht, erklärt Raschi 3): Abba Schaul zerlegte das Wort imjjttin die Elemente 81!T1 "OS4), er deutete es somit als: „Ich und er" und sprach: Ich will wie er werden, oder, wie Raschi es ausdrückt: „Ich will mich nach ihm gestalten: seinen Wegen anzuhangen." Und in der Tat fährt Abba Schaul so fort: „Wie er barmherzig und gnädig ist, so sei auch du barmherzig und gnädig." Gott nachahmen also bedeutet: seinen Wegen anhangen, in seinen Wegen gehen. Das sind nicht die von ihm dem Menschen als solchem gebotenen Wege, es sind wirklich Gottes eigene Wege. Aber noch einmal steht in neuer Gestalt x) Sifra zu IHM. 19,2. Vgl. Lewy, Über einige Fragmente aus der Mischna des Abba Sau! 23, Anm. 53. 2) Jeruschalmi, Pea i5b ist der Spruch Abba Schauls gewiß am richtigsten angeführt; die Lesarten Babli, Schabbat i33b und Mechilta 37 a sind offenbar entstellt. Vgl. zur Textgestaltung Bacher, Die Agada der Tannaiten II 367 Anm. 2, sowie I. Abrahams, Studies in Pharisaism II 175 (in dem anregungsreichen Abschnitt „The imitation of God"), der aber die korrekte Lesart nicht berücksichtigt. 3) Zur angeführten Babli-Steile. 4) Der etwaige Zusammenhang dieser Deutung mit dem geheimnisvollen Namen mit dem Gott beim Umzug um den Altar am Hüttenfest angerufen wurde (Mischna Sukka IV 5), kann hier nicht erörtert werden. Vgl. G. Klein, Der älteste christliche Katechismus 44 ff. 645

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