Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1926)
- Article
- Israel und die Kultur des alten Vorderasien
- Date
- 1926-02-01
- Page
- 634 (sequence 10)
- Language
- German
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Max Löhr blieb man unerbittlich. Und es muß als eine hervorragende Geistestat der Träger des reinen Jahwismus bewertet werden, daß trotz des Bilderverbotes Jahwe den Seinen immer eine lebensvolle Persönlichkeit geblieben ist Wahrlich, es ist ein Zeichen für die Gesundheit der religiösen Entwicklung Israels, daß es dem Bilde seines Gottes manches Element aus der religiösen Kultur Vorderasiens einzufügen wußte, ohne damit das innerste Wesen seiner Geistigkeit zu verändern. So wird Jahwe zum Lehrer und Förderer des Ackerbaues, ohne in die Sphäre eines Vegetationsgottes hinabzusteigen. Er wird zum Arzt, der gesund und lebendig macht, ohne sich in die Gestaltung eines babylonisch-phönizischen Gottes der Heilkunde zu verlieren. Und wenn er mit einem Adler verglichen wird — auf Adlerflügeln trägt er sein Volk —, so mag ja bei diesem Vergleich das Adlersymbol des Sonnengottes wirksam gewesen sein, aber Jahwes Geistigkeit hat es keinen Eintrag getan. Im Gegenteil, dieses Prinzip der reinen Geistigkeit der Gottheit hat sich überall siegreich durchgesetzt Im Kultus insofern, als man in Israel zu der Erkenntnis fortgeschritten ist, daß einem geistigen Wesen nicht mit materiellen Gaben gedient werden könne. Die einen werten die Tieropfer nur noch symbolisch, die andern erklären: Gehorsam gegen Gottes Gebote ist wertvoller als alle Opfer. Dem Geiste gilt es im Geiste zu huldigen. Diese Erkenntnis, die uns heute so selbstverständlich erscheint, muß für jene Zeit als ein religionsgeschichtliches Ereignis angesprochen werden. Keine der altorientalischen Religionen hat sich zu dieser Höhe in der Beurteilung des Kultus aufgeschwungen. Wohl kennen wir aus Ägypten um 2000 v. Chr. den vereinzelten Satz: „die gute Tat eines Frommen ist besser als das Opfer eines Rindes, das ein Ungerechter darbringt". Aber irgendwelchen Einfluß auf den ägyptischen Kult hat er nicht geübt Als aber 70 nach Chr. der Opferkult auf dem Zion sein Ende findet, da bedeutet das für Jahwe keine Katastrophe. Man hatte ihn längst im synagogalen Grottesdienst geistig zu verehren gelernt und konnte des materiellen Kultes entraten. Bemerkenswerter noch ist es, wie der religiöse Genius Israels die Mythenschälze Babylons geformt und durchdrungen hat Das Denken der ältesten Antike über Gott und göttliche Dinge, über Welten! stehung und Menschenlos und viele andere ähnliche Fragen kleidete sich wesentlich in mythologische Formen. Aus der bunten Fülle jener mythologischen Gestalten und Handlungen, die die Weltschöpfung, die Sintflut u. a. 634