Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Das Problem der Volksgemeinschaft und die Einordnung des Judentums
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 601 (sequence 8)
- Language
- German
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Das Problem der Volksgemeinschaft und die Einordnung des Judentums und des Bodens tritt eine Gemeinschaft der Interessen und der Gesinnung gegenüber; einer Gemeinschaft der Besitzenden eine Gemeinschaft der Täligen und Bestrebten, deren Grenzlinie erst da läuft, wo die innere Bereitschaft zu ihr aufhört, die also wegen der Unpersönlichkeit und Undinghafligkeit ihres Fundaments prinzipiell grenzenlos und jeder Ausdehnung fähig ist, soweit Interessenverknüpfung und Gesinnungsband den Kreis ziehen. Neben den Zusammenhang von Geblüt und Gebiet tritt als gemeinschaftsliftender Faktor eine geistige Beziehungswelt Wie einst in die einende Landschaft die Fremdheit des Blutes verran, als sich an die Stelle des sanguinen das territoriale Prinzip setzte, löst sich jetzt die Beschränktheit der naturalistischen Form auf in die Schrankenlosigkeit der geistigen. Ein Teilhaben an den geisiigen Gehalten wird nunmehr die Voraussetzung der Zusammengehörigkeit. Die ganze Fülle der Werte und Überzeugungen tritt in Aktion, um eine über die Naturform hinausgehende höhere Gemeinschaftsform aufzubauen. Ein geisliger Besitzfonds lagert sich ab, und über dem Naturgrund von Rasse und Boden wiegt sich die Zauberblüte der Kultur. Das ethnologische Moment wird überholt durch ein geschichtliches- Historische Erinnerungen und Schicksalserlebnisse, ruhmvolle und leidenschwere, niedergeschlagen in gemeinsamen Symbolen, Riten und Kulten, schaffen die psychologische Verdichtung und verstärken die Zusammenhänge. Auf dem Fruchlboden gemeinsamer Geistigkeit wird ein Brückenschlagen möglich von Mensch zu Mensch, von Gruppe zu Gruppe, das gegenüber dem beengten Notstand des Naturzwanges ohnegleichen ist Uralte Fremdenscheu, in dumpfer Blutsdämmerung schwälend, verfliegt in den helleren Regionen lichterer und disziplinierterer Geistesbewußtheit. Nicht daß die Stimme des Blutes nun einfach einschlief. Mit leisem Melodienzwang wird sie auch ferner herauf tönen, ebenso wie sich der Eindruck der Landschaft auch weiterhin in Seelengebilde umformt Geheime Einordnung und geheime Gegensätzlichkeit aus Urtiefen, die keine Bewußtheit auslotet, ist immer vorhanden. Aber in dieser Empfindungswelt fehlt alle aggressive Verschärfung, die erst hervortritt, wenn die ideologischen Bindeglieder erschlaffen und die naturalistischen angezogen werden. Es gibt ein negatives und ein konstruktives Sich-Verhalten gegenüber der verspürten Andersartigkeit des Mitmenschen. Das negative reagiert auf alles Fremde mit instinktivem und zügellosem Haßgefühl, während das konstruktive eben diese Andersariigkeit als Bereicherungsmoment, als eine neue Gewebeader im bunten Teppichgespinst ansieht 601