Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 600

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Das Problem der Volksgemeinschaft und die Einordnung des Judentums
Date
1925-12-01
Page
600 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895457-2896425--00708-2896529
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erik Nölting der Menschlichkeit hergestellter Allzusammenhang vorausgesetzt, dessen genereller Allgemeingültigkeit gegenüber die besondere Individuation nicht gar so übermäßig wichtig erscheint Noch in der fremdesten Erscheinungsform das Ur-Gemeinsame aufzuspüren, das alles Lebendige verbindet und den großen Gemeinschafiszusammenhang jedweden Lebens begründet, ist stolzestes Bemühen. Durch alle Kostüme, Verhüllungen und Schleier hindurch dieses unwandelbare Eine zu schauen, das noch kein geschichtlicher Bewegungsprozeß relativiert und auflöst, ist tiefster Erkenntnis letzter Weisheitsgewinn. HiDter der Erscheinungen bunter Flucht steht die ewige Norm, die auch fern von Europens überlünchter Höflichkeit in der Brust des „guten Wilden" die Stätte ihrer Verehrung und Gülligkeit hat, und zu deren Preis Orient und Okzident zusammenfließen in gemeinsamem Lobgesang. Das Besondere, dem die Romantik mit schwarmsüchtiger Überzärtelung nachsinnt, ist nur die mehr oder minder vollkommene, mit stufenweiser Deutlichkeit heraustretende Darstellung der endgültigen Abschlußform. Hinter den bisher erreichten konkreten Realisierungen, hinler dem jeweiligen mit Unzulänglichkeit behafteten „ordre positive" steht in klarer Ewigkeitsluft der „ordre naturel", der große Ozean jenseits der zeitlichen Erregung, in den die geschichtlichen Entwicklungsströme einmünden. Hinter dem gesalzten Recht der Juristen steht als Leitziel und Orientierungsmaß, das seinen Gellungsbereich über alle Zonen, Völker und Zeiten erstreckende Naturrecht, gleich wie hinter der Religion der Theologen die dogmenbefreite und wundererlöste natürliche Religion, hinter der verkrampften Sozial- und Wirtschaftsordnung der natürliche Gesellschaftszustand wartet. Diesen natürlichen Zustandsformen aber entspricht in der personalen Entwicklungsreihe der natürliche Mensch, der „homme moyen", dem ein romantischer Nachfahre, Quetelet, mit statistischen Messungsmelhoden nahezukommen versuchte, das verabsolutierte Vernunflindividuum jenseits und oberhalb aller nalionalen, lokalen und zeitgeschichtlichen Bedingtheit Nur der „Unmündige" ist ausgeschlossen; soweit Aufklärung reicht, erstreckt sich der Bund. Aber auch Mündigkeit und Unmündigkeit sind keine qualitativen, sondern nur graduelle Unterscheidungen, wie sich denn das Lebensgefühl überhaupt quantitativ auflöst, nicht qualitativ zusammenschließt und abgrenzt Auf solcher Grundlage ersteht ein Typus von Gemeinschaftszusammenhang, der mit dem aus der Empfindungswelt des 19. Jahrhunderts hervorgehenden' Typus auf das schärfste kontrastiert Gegen die naturalistisch-biologische Form erhebt sich eine geistig-ethische. Der Gemeinschaft des Blutes 600

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.