Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Staat und Erziehung
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 588 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Moritz Werner danken der Sonntagsschule, ist ja auch in Deutschland aller Konfirmanden- und Kommunionsunterricht eigentlich nichts als ein auf bestimmte Altersstufen eingeschränkter Teilkursus solch religiöser Unterweisung. Wäre das alles in entsprechendem Maße ausgebaut, so würde niemand daran denken, dieser in der Tat höchst verdienstlichen „privaten Initiative" der Gewissensgemeinschaften „den Weg zu versperren". Sie hätte nämlich in idealer Form das geschaffen, was logischer Weise allein mit einem bisher stets mißbrauchten Namen zu bezeichnen wäre: die wahre „Konfessionsschule". Was man heute so nennt oder, wie im Mellerschen Aufsatz, ohne es zu, nennen, „zur Vermittelung bestimmter Berufskenntnisse oder Wissensgebiete" empfiehlt, ist allenfalls eine Ausartung dieser echten Konfessionsschul-Idee und muß beinahe deren Tod bedeuten. Denn wo derartige hypertrophische Konfessionsschulen bereits bestehen, da hat man es schon erlebt, daß ihre eigentliche Aufgabe unter dem Druck der vielen hinzugekommenen „Fächer" verkümmert Wo aber erst zu Neugründungen geschritten werden muß, da wäre doch mit Meiler — nur an die umgekehrte Adresse — die Frage zu stellen, ob die private Initiative finanziell sich das leisten kann. Beginnt doch das System jener Vermittelung beim Kindergarten und hört bei den verschiedenartigen Hochschulen noch nicht auf, wie die eben neu entstehende Notwendigkeit pädagogischer Akademien beweist Natürlich möchten die Glaubensgemeinschaften als Privatunternehmer dafür Zuschüsse vom Staat erhalten. Aber welcher Staatslenker könnte eine so maßlose Zersplitterung von Geldmitteln und Geisteskräften verantworten? Es gibt doch nun einmal keine evangelische Rechtschreibimg, man kann die Kongruenzsätze nicht katholisch beweisen, und Homerlektüre ist keine jüdische Angelegenheit. Vor allem aber: warum soll der Staat ohne Not auf eines seiner schönsten Vorrechte verzichten? Nichts anderes ist ja sein grundsätzliches Monopol für das, was man gemeinhin unter öffentlicher Erziehung versteht Denn diese Aufgabe kann in keinem kleineren Verbände seiner Angehörigen ohne fremde Hilfe geleistet werden, und sicher auch nicht in irgend einer Konfessionsschule. Sie kann der Familie den jungen Katholiken, Protestanten oder Juden bilden helfen, nicht aber dem Staate den jungen Bürger, für den es von Anfang an wesentlich ist, daß er sich unter einer möglichst bunt gemischten Schar von Kameraden bewege. Später im Leben findet er es auch nicht anders, und die Erziehung, die darauf vorzubereiten hat, muß auch hier nicht nur auf theoretischer Belehrung, sondern auf Beispiel und Tat beruhen, genau wie im 588