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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 572

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Urkirche und Judentum
Date
1925-12-01
Page
572 (sequence 24)
Language
German
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Engelbert Krebs gebet dankt für die Schöpfung und für die Führung der Welt, dankt aber darüber hinaus für die Führung des Judenvolkes und fügt nun selbstverständlich daran den Dank für die Erscheinung Christi und leitet damit über in den geheimnisvollsten Augenblick der Konsekration, in welchem Christus in Brots¬ und Weinsgestalt inmitten der feiernden Gemeinde selber erscheint Das ist gewiß etwas Unjüdisches, etwas nur Christliches. Aber bis dahin sind der jüdische und der katholische Grottesdienst in ihrem Aufbau, in ihrem Inhalt und in ihrer Form noch heute aufs innigste verwandt, in einzelnen Teilformen sogar bis zur Beibehaltung hebräischer Worte. (Wer sich dafür näher interessiert, möge die grundlegende Studie von Gustav B ick eil über Messe und Passah (1872) nachlesen, die heute allerdings überholt ist, oder das kleine Bändchen von O. Casel, „Das Gedächtnis des Herrn in der altchristlichen Literatur" (4u. 5. Aufl., Freiburg 1920), vor allem aber die Arbeit von Anton Baumstark „Vom geschichtlichen Werden der Liturgie" (Freiburg 1923). Baumstark hat durch unzählige eigene Einzel- und Kleinarbeiten diese zusammenfassende Darstellung unterbaut Mit souveräner Kritik beherrscht und verwendet er die Forschungen anderer, so von W. Staerk, P. Fiebig, E. v. d. Goltz, Bousset, Germain Morin, Brightman und anderen. Das dritte Kapitel behandelt „das Erbe der Synagoge" und enthält aDes Wichtige über die Zusammenhänge des Meßritus mit dem jüdischen Gebetsbrauch.) Wir haben aber nicht nur in der heiligen Messe, sondern auch in anderen Gebeten jüdisches Erbgut, zum Beispiel in unseren priesterlichen Tagzeilen: Wenn wir die drei kleinen Hören der Terz, Sext und Non beten, so entspricht das dem jüdischen Gebrauch des dreimaligen Schema-Gebets, dem die Urkirche nach Ausweis der ältesten uns erhaltenen Kirchenordnung, der sogenannten Didache, das dreimal am Tag zu betende Vaterunser substituierte, das sie später in die drei kleinen Hören erweiterte; und wenn der Jude nächtlich aufstand, um Gott zu loben, so haben wir in der katholischen Kirche nicht nur in apostolischer und nachapostolischer Zeit das mitternächtliche Lob gebet der Christen, sondern heute noch in den Mönchsklöstern und wenigstens dem Texte nach auch in dem priesterlichen Breviergebet das nächtliche Gebet der Nokturnen mit ihren Psalmen und Liedern und Lesungen, die uns in die früheste Vorzeit zurückführen. Überhaupt klingt wohl nirgends in so regelmäßiger Wiederholung auf der ganzen Erde der Liederreichtum der jüdischen Psalmen wider, als in der katholischen Kirche, die heute noch, mit derselben Inbrunst und derselben inneren' Überzeugung von 572

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