Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 571 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Urkirche und Judentum unsere Präfationseinleitung dem Wechselgebet der Juden völlig angeglichen, wie sie es beim Sabbatmorgengottesdienst, und auch in ihren Tischgebeten, vor allem in den heiligen Gebeten der Passahfeier zu verrichten pflegten. Und wenn bei uns das große Dankgebet ausklingt im Zusammenklang mit dem Jubel der Cherubim und Seraphim, mit dem Preis der Engel und Erzengel, und wenn dabei das Dreimalheilig und das Hosianna, das hebräische Wort, und Gott Zebaoth, das hebräische Wort, in unserer lateinischen Messe nachklingt, so ist schon durch diese hebräischen Laute erwiesen, was die Forschung im einzelnen weiter ausgeführt hat, — daß unsere Meßliturgie eine geradlinige Weiterführung altjüdischer Gebetsbräuche ist. Gewiß, ihr heiligster Gehalt, die Konsekration und Kommunion, sind etwas Neues, sind das Neue, was Christus in Erfüllung dessen eingeführt hat, was die Passahfeier der Juden vorgebildet hatte. Aber wie die Verflechtung von Schriftlesung, Psalmen und Gebeten in der Vormesse, so ist das große Fürbittgebet und insbesondere das Danksagungsgebet der Präfation unserer Messe das echte Kind urjüdischen Gebetsgeistes., Wir haben aus dem Altertum nicht nur jüdische, sondern auch hellenistische Danksagungsgebete. Aber es ist falsch, die katholischen Danksagungsgebete aus dem hellenistischen Heidentum herleiten zu wollen. Denn die altkirchlichen Danksagungsgebete weisen deutlich eine doppelte Danksagung auf: einmal für die Erschaffung und Regierung der Welt überhaupt, dann aber für die geschichtliche Führung des auserwählten Volkes und für die Erfüllung seiner Hoffnungen in Christus. Das hellenistische Heidentum aber dankt nur für die Gestaltung und die Regierung der Welt, eine des Dankes werte Heilsgeschichte kennt es nicht Das jüdische Danksagungsgebet aber dankt für die Erschaffung der Welt, für die weise Ordnung und Regierung der Welt und es dankt weiterhin für die geschichtliche Einzelführung des jüdischen Volkes als der Offenbarungsträger inmitten der Heiden. Sieht man auf diesen doppelten Inhalt der Danksagung, so erkennt man deutlich, wie die Verwandtschaft der verschiedenen Dankgebete zu verstehen ist: Das uralte jüdische Dankgebet ist die Stamm-Mutter, das kirchliche ist das echte Kind, das hellenistische ist ein verkümmertes Kind der gemeinsamen Mutter. Das urkirchliche Danksagungsgebet, wie es uns geschildert wird von Justin dem Märtyrer, wie es uns in später Redaktion erhalten ist im achten Buch der, sogenannten apostolischen Konstitutionen, wie es schon Ende des ersten Jahrhunderts widerklingt (wenn auch nicht als Gebet dort aufgeschrieben) im Brief des römischen Bischofs Clemens an die Korinther, dieses Danksagungs- 571 36