Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 570 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Engelbert Krebs der Hl. Schrift, meist aus den Apostelbriefen (daher Epistel genannt) und einen Abschnitt aus dem Evangelium; ja, wir haben in gewissen Liturgien der Fastenzeit heute noch vier Lesungen: zwei alttestamentliche aus Moses und aus den Propheten und zwei neutestamentliche aas den Apostelbriefen und aus den Evangelien. Wie die Verlesung dieser Schrifttexte im Judentum unterbrochen wird durch Fürbittgebete und Psalmengesänge, so sind bei uns das Staffelgebet, der Introitus und der Stufengesang, die Wechselgebete des Kyrie und der Lobeshymnus des Gloria, endlich die Tagesoration oder Kollekte als köstlicher Rahmen um diese Lesungen herumgelegt Die enge Verwandtschaft dieses Gebetsaufbaues mit alten jüdischen Morgengebeten ist uns von Bicke 11 und Baumstark bis ins einzelne nachgewiesen worden. Im jüdischen Gebetsritus wird gern an die Vorlesung der biblischen Texte eine religiös erbauende Belehrung angeschlossen; so folgt bei uns auf die Epistel und das Evangelium im feierlichen Gottesdienst die Predigt So war es schon in der Urkirche, so hat schon Paulus über das Vorgelesene lange gesprochen bis um Mitternacht (vgl. Apg. 20, 7—9), bis der kleine Eutychus vom Schlaf überwältigt aus dem Fenster fiel und Paulus den für tot Aufgehobenen wieder ins Leben zurückrufen mußte (Ebd. 10). An Lesung und Predigt schloß sich dann das Fürbittgebet für die Gemeinde. Dieses Fürbittgebet für die Gemeinde ist in der Urkirche ganz und gar angepaßt dem Fürbittgebete der Juden für die einzelnen Stände in ihrer Kirche, dem großen Gemeindefürbittgebet im Sabbatmorgengottesdienst Wir beten noch heute, wie die Urkirche es getan hat, für das ganze Volk der Christenheit, für die Priester, Bischöfe und Päpste und alle gläubigen Laien, genau wie im Gemeindefürbittgebet der Juden gebetet wurde für die Lehrer und Ältesten und für alle Stände des Volkes. Und zwar geschieht das im zweiten Hauptteil der Messe. Dieser ist die eigentliche Eucharistiefeier, die große Danksagungsfeier, beginnend mit einem Danksagungsgebet, heute sich fortsetzend in dem ebengenannten Fürbittgebet und einmündend in die reale Feier des Abendmahls mit den zwei Gebetskreisen der Wandlung und der Kommunion. Diese Danksagungsfeier beginnt heute, wie schon im 2. Jahrhundert, mit dem Ruf des Zelebranten: Sursum corda! Empor die Herzen! Ihm antwortet der Sängerchor namens des Volkes: Wir haben sie erhoben. Mit dem weiteren Aufruf des Priesters: „Laßt uns Dank sagen Gott dem Herrn!" und mit der Antwort: „Es ist würdig und recht", ist 570