Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 568 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Engelbert Krebs Unterschied gemacht wird zwischen Heiden und Juden. Den Gedankengang des Römerbriefes kann man folgendermaßen darstellen:x) Gott hat den Juden, denen das Gesetz und die Verheißung gegeben war, auch zuerst die neue Botschaft angeboten. Aber dadurch, daß sie in ihrer Menge sie zurückweisen, wurde frühzeitig das Evangelium zu den Heiden hinausgetragen. Und so ist die zeitweilige Verstockung der Juden das Heil für die Heiden geworden. Wenn aber der Effekt erreicht sein wird, wenn das Heil zu allen Heiden gekommen ist, dann wird auch der Schleier von den Augen der Juden genommen und „ganz Israel wird gerettet werden" (Rom. 11,26). Darum sollen die Heidenchrislen sich nicht überheben. Es ist ein geheimnisvoller Ratschluß Gottes, daß das Heil früher zu ihnen gekommen ist. Wenn einer aber sich deswegen überhebt, so wird das Reis herausgerissen werden, das als Wildling in den zahmen Ölbaum eingepflanzt worden ist (Röhl. 11, 17ff.); die herausgerissenen Zweige aber werden alle wieder eingefügt werden, „ganz Israel wird gerettet werden". Darum keine Verachtung der Juden! Darum kein Antisemitismus in Rom! Sondern was sollen die Römer tun? Wie er, Paulus, es selber tut: unablässig ergeht sein Gebet für das Heil der Juden (Rom 10, 1), und wehe den Heidenchristen, die sich erheben wollen über das Volk der Juden. „Sei also nicht übermütig, sondern fürchte Dich. Denn wenn Gott der natürlichen Zweige nicht geschont hat, möchte er etwa auch deiner nicht schonen" (Rom. 11,20 f.). Wenn wir das lesen, verstehen wir, wie der Römerbrief zwar im Mittelpunkt der Bewegung steht, die zur Trennung geführt hat, daß er aber nicht antisemitischen Geist in die Kirche hineingetragen hat, sondern jenen Geist, der die Kirche immer veranlaßt, für die Juden zu beten in dem Glauben und in der festen Hoffnung, daß die Judenschaft schließlich zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und das Heil der Kirche teilen werde. IV. Aus allem bisher Gesagten ist es verständlich, daß die Kirche auch nach dem Fall des Tempels und nach dem Häretisch werden vieler judenchristlichen Gemeinden doch niemals das jüdische Erbe abgestoßen hat Die Kirche war sich ihrer Verwachsenheit mit dem allbundlichen Heilsvolk so bewußt, daß sie, trotzdem sich dieses Heilsvolk von ihr schied und sie sich von ihm schied, doch das ganze Segensgut des Judenvolkes herübergenommen hat 1) Für das Folgende verweise ich auch auf mein Buch: Dogma und Leben 1- (Paderborn 1923) S. 307—320: Die Prädestinationslehre des Römerbriefs. 568