Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 563 (sequence 15)
- Language
- German
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Urkirche und Judentum gemeinschaft ausgestoßen, sondern sie fühlte sich nur und nur als die Erfüllung, als die auserlesene Schar unter den Juden, die die neue Erkenntnis schon gewonnen hat, aber doch im Tempel noch täglich betet „um Vergebung für das Volk". Nach 3o jähriger Bischofszeit wurde Jakobus in einem Volksauf lauf, den die religiösen Eiferer aufgestachelt hatten, von einem Ausbau des Tempels herabgestürzt und von einem Walker mit dem Walkholz erschlagen. 3o Jahre lang hatte er es verstanden, „Jude und Christ zugleich zu sein und von beiden Lagern als ein Führer anerkannt zu werden".1) III. Wie kam nun die Trennung dieser so ganz im Judentum verwurzelten und die Judenhoffnung erfüllenden Kirche von ihrem Wurzelboden? Nun, Anlaß zur Trennung war, daß eben nicht alle Juden mitmachten, sondern daß die überwiegende Masse der Juden den neuen Weg nicht billigten. Zunächst kam es infolge dieser Auseinandersetzungen zu der Verfolgung in Jerusalem, der Stephanus zum Opfer fiel (Apg. c. 7). Das hatte wiederum zur Folge, daß sofort die Urgemeinde sich auf einige Zeit durch ganz Palästina verstreute (Apg. 8, 1 und 11, 19) und gerade dadurch das Christentum in den jüdischen Gemeinden außerhalb Jerusalems erst recht verbreitete. Es kam bis Phönizien, Cypern und Antiochien, und in Antiochien wurden die Anhänger zuerst Christen genannt (Apg. 11, 19—26). Dann kam zweitens noch hinzu, daß gerade von diesem Antiochien aus ein jüdischer Schriftgelehrter, der Gamalielschüler Schaul, der sich nach ursprünglicher Hetze gegen die Christen plötzlich der Bewegung angeschlossen hatte, sich dann später Paulus nannte, die Reise in die vornehmlich von Heiden bewohnten Städte, in die Oikumene des römischen Reiches antrat Da er Jude war und auf seine jüdische Abstammung auch immer stolz blieb, so wandte sich Paulus überall zuerst an die Juden, die in den Heidenstädten lebten. Aber dann, wenn er dort das Schicksal der Urgemeinde, den Widerspruch der Stammesgenossen an sich erfuhr, dann wanderte er mit seinem Anhang aus der Synagoge aus und kehrte sich den Heiden zu. Dadurch wurde die Trennung, wie sie in Jerusalem selber sich vertiefte, in den Diasporagemeinden immer welter verbreitet i) H. Achelis a. a. O. i5o. 563