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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 562

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Urkirche und Judentum
Date
1925-12-01
Page
562 (sequence 14)
Language
German
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Engelbert Krebs bleibt also: Die Mitglieder leben wie die frommen Juden.1) Wir wissen, daß man das Sabbatgesetz in seiner ganzen Strenge hielt; aus den Verhandlungen mit Paulus im Jahre 48 sehen wir, daß die jerusalemische Gemeinde an dem alten Brauch der Beschneidung festhielt, durch die Auseinandersetzung zwischen Petrus und Paulus in Antiochien erfahren wir, daß man die jüdischen Speiseregeln anwandte, daß man in pharisäischer Scheu die Tischgemeinschaft mit Andersgläubigen zu vermeiden suchte (Gal. 2, 12 f.). Der Tempel des Herrn zu Jerusalem blieb der Versammlungsort auch der christlichen Juden, Jerusalem blieb ihnen die geheiligte Stadt Täglich kamen die Zwölfe zusammen, man brachte seine Opfer dar, man entrichtete seine Tempelsteuer. An der Spitze der jerusalemischen Urgemeinde stand Jakobus, der „Herrenbruder" (Gal. 1, 19), der Sohn des Chalphai, Alphaeus (Apg. 1, i3) oder Klopas genannt, und der Maria tu Klopa, der Schwester der Gottesgebärerin Maria (Jo. 19, 2 5). Er war also ein ganz naher Verwandter Jesu. Von diesem Jakobus gibt uns Hegesipp, ein Schriftsteller des zweiten Jahrhunderts, der noch persönliche Schüler der Apostel gekannt hat, folgende Schilderung, die ihn als jüdischen Nasiräer kenntlich macht: „Es übernahm aber in Verbindung mit den (übrigen) Aposteln die Leitung der Gemeinde Jakobus, der Bruder des Herrn, der zur Unterscheidung von vielen anderen Männern gleichen Namens der Gerechte genannt worden ist Er war schon vom Mutterschoße an heilig, trank weder Wein noch sonst ein geistiges Getränke, noch aß er etwas aus dem Tierreich. Ein Schermesser kam nie auf seinen Kopf, er salbte sich weder mit öl noch nahm er je ein Bad. Ihm allein war es verstattet, ins Heiligtum einzugehen, denn er trug kein wollenes, sondern ein leinenes Gewand. Er ging immer allein in den Tempel, wo man ihn finden konnte, wie er auf den Knien lag und Gott für das Volk um Vergebung bat Weil er immer auf den Knien lag und für sein Volk betete, so waren die Knie verhärtet wie die eines Kameles. Wegen seiner außerordentlichen Gerechtigkeit wurde er der Gerechte genannt, aber auch Oblias, Schutz des Volkes und Gerechtigkeit, wie die Propheten von ihm anzeigen." (Hegesipp bei Eusebius, Kirchengeschichte 2, 23, Ziff.) Ein solcher Mann, ein so ausgesprochen jüdisch lebender Mann stand 3o Jahre lang an der Spitze der christlichen Urgemeinde in Jerusalem. Diese fühlte sich also wahrhaftig nicht aus dem alten Bunde oder der Juden- *) Zum Folgenden vgl. Hans Achelis, Das Christentum in den drei ersten Jahrhunderten. 2. Aufl. Leipzig 1925. S.!\- 562

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