Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 560 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Engelbert Krebs wird als sein Sohn (2. Kön. 7, i4; 1- Par. 22, 10). Aber Christus weist darauf hin, daß David diesen künftigen Sohn „seinen Herrn" nennt (Lk. 20, 44), und also hier schon in dem Psalm (109 alias 110) die Gotteswürde, das heißt die Herren -würde des Kommenden in einzigartigem Sinne angedeutet sei, und Paulus hebt vor den Antiochenern in Pisidien, sowie im Hebräerbrief ausdrücklich hervor, daß im zweiten Psalm die Gottessohnwürde des Davidsprossen in metaphysischem Sinn gemeint sei, und darum diesen Davidsprossen über die Engel erhebe. Außerdem wird von Paulus der ganze reiche Inhalt des jüdischen Weisheitsbegriffes auf Christus übertragen: Christus ist „den Heiden zwar eine Torheit und den Juden ein Ärgernis, den Berufenen aber, Juden sowohl als Heiden, Gottes Kraft und Weisheit" (1. Kor. 1, 23 f.) und zwar ist er jene ewige Weisheit und jene ewige Kraft Gottes, durch die er die Welt geschaffen hat (1. Kor. 8, 6; Kol. 1, i5—18), so wie die alttestamentliche Weisheit der Weltplan ist, auf den hinschauend und den aussprechend Gott die Welt geschaffen hat (Joh. 28, 21—28; Jes. Sirach 2 4, 5ff.; Weish. SaL 9, 1 f.). Diese göttliche Weisheit ist zugleich unter die Menschen gegangen (Baruch 3, 38 ff.), indem sie in der Thora sich niederlegen ließ und hier Wohnung genommen hat bei den Menschen; denn „ihre Lust ist es, bei den Menschemkindern zu sein" (Spr. 8, 3i), „bei Jakob sollte ihre Wohnung sein und bei Israel ihr Erbteil" (Jes. Sirach 24, 19), und dort ist sie zu finden als Heilbringerin für die Menschen (Spr. 8, 34—36). All das: göttliche Ewigkeit der Weisheit, göttliche Schöpferkraft der Weisheit, göttliche Offenbarung durch die Weisheit, das Wohnen der Weisheit bei den Menschen, das Heil der Weisheit für die Menschen, all das hat Christus erfüllt. Darum wird nun für Paulus und die junge Kirche die ganze Weisheitsliteratur aufschlußgebend über Christus1). So tritt neben den erzählenden Bericht, den die Urapostel und Paulus über Christus bringen, immer gleichgeordnet eine zweite Quelle geheimnisvoller Erkenntnis (Gnosis) über das Wesen Jesu, tritt dieser alttestamentliche Schriftbeweis. Seine Verkündiger sind dabei überzeugt, daß das rein natürliche Denken bei der Erforschung des alten Testaments nicht zum tiefsten Verständnis kommt Wer die Texte des alten Testaments anschaut, wie sie geschrieben sind, findet diesen geheimnisvollen Sinn nicht (2. Petr. 1, 20). x) Vgl. hierzu meine Arbeit: Der Logos als Heiland im ersten Jahrhundert, Freiburg 1910, S. £9—57: Die biblische Weisheitslehre, S. 81—g3: Das Zeugnis des hl. Paulus. 560