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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 559

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Urkirche und Judentum
Date
1925-12-01
Page
559 (sequence 11)
Language
German
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Urkirche und Judentum Und so geht es durch die ganzen Predigten der Urgemeinde hindurch. Es ist das Verdienst des Harnack-Schülers von Ungern-Sternberg, in seiner Arbeit über den alttestamentlichen Schriftbeweis, einmal das gesamte Gut dieses Schriftbeweises der ersten drei, vier Jahrhunderte rein schematisch gesammelt zu haben und zugleich folgende Feststellung gemacht zu haben:1) Neben der historischen Erzählung über das Leben, Leiden und Sterben Jesu Christi begegnen wir von Anfang an in Missions- und Gemeindepredigt als außerordentlich wichtigem „Kerygma", ja als einem mit dem erzählenden Evangelium gleich wichtigen Predigtstoff, dem Hinweis darauf, daß die kanonischen Schriften des altbundlichen Judentums in einem geheimnisvollen Sinn hindeuten auf das, was in Christus und der Kirche sich erfüllt hat Der traditionelle, alttestamentliche Schriftbeweis will die zwei Hauptgegenstände beweisen: erstens, Christus ist der erwartete Messias, und es finden sich im Alten Testament viele Texte, die auf ihn hindeuten; und zweitens, das Evangelium ist das neue Gesetz, die Kirche ist das neue und wahre Gottesvolk, und es finden sich deshalb im Alten Testament viele Sätze und Texte, die auf das neue Gesetz, auf das neue Gottesvolk hinweisen- Diese Predigt aufgrund des Schriftbeweises ist, wie erwähnt, von Christus selbst den Aposteln gelehrt und von Petrus am Pfingsttag zum erstenmal angewandt worden, Paulus aber hat sie ausgebaut und weiter getragen. Es wird so zum Beispiel auf Grund eines Hinweises Christi (Mth. 22, 43; Mlc 12, 36; Lk. 20, 42) der Psalm 109 (Vulgatae, 110. Hebr.) — von Petrus in seiner ersten Predigt auf Jesus Christus gedeutet (Apg. 2, 34—36) und aufgrund Paulinischer Exegese der Psalm 2 ebenfalls auf Christus bezogen (Apg. i3, 33; Hebr. 1, 5 und 5, 5), obwohl beide Texte zunächst nur von dem künftigen Davidsprossen handeln, der das Reich des Königs erben soll, ohne daß dieser dadurch für den Leser als Gottessohn im metaphysischem Sinn charakterisiert wäre. Man kann nämlich diese beiden Psalmen in orientalischem Sinn ohne weiteres dahin verstehen, daß die Sohnschaft Gottes dem König beigelegt wird (Ps. 109, 3; Ps. 2, 7), weil Israel überhaupt das Kind Gottes (Dt 8, 5) und» der König in auserlesener Weise der Sohn Gottes ist und darum an dem Tag, wo er von Gott zum König erwählt wird, von ihm gewissermaßen gezeugt *) Arlhur v. Ungern-Sternberg, Der traditionelle alttestamentliche Schriftbeweis de Christo und de Evangelio in der alten Kirche bis zur Zeit Eusebs von Caesarea, Halle (Niemeyer) io,i3. 559

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