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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 558

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Urkirche und Judentum
Date
1925-12-01
Page
558 (sequence 10)
Language
German
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Engelbert Krebs druck ein viel gewaltigerer ist, ein solcher nämlich, den die Zuhörer in die Worte kleiden, daß hier einer redet, wie vordem keiner geredet hat (Joh. 7, 46), daß hier einer ist, der mit Gewalt redet (Mlh. 7, 29). In Jesu Reden finden wir nicht die vielen kleinen kasuistischen Erörterungen der Thoraerklärer seiner Zeit über den Zehnten von Minzen und Kümmel, dieses „Seihen von Mücken", wie Christus es den Schriftgelehrten vorwirft (Mth. 23, 23f.); aber wie jene Gesetzeskenner spricht er gerne in anschaulichen Erzählungen, aus denen gleichnisbaft die Wahrheit herausspringt (Mk. 4, 34), und er liebt, wie es das Johannisevangelium vor allem schildert, das lebhafte Hin und Wider im Wortkampf mit den Schriftgelehrten, ähnlich wie es uns der Talmud in den Gesprächen und Wechselreden der Schriftgelehrten aufbewahrt hat Inhalt und Form der Predigten Jesu sind echt jüdisch, wenngleich der Inhalt vom Nationalen gereinigt und vergeistigt erscheint, und die jüdische Erwartung als in Christus selber erfüllt und eine höhere, letzte Erfüllung vorbereitend dargestellt ist IL Die christliche Kirche sah sich, nachdem Christus in sichtbarer Gestalt von ihr gegangen war und ihr den Geist zurückgelassen hatte, vor die Aufgabe der Missionierung gestellt Sie unternimmt sie von Anfang an in dem Bewußtsein, daß sie den Juden und Heiden die Erfüllung der jüdischreligiösen Hoffnung zu verkünden hat Dadurch entsteht etwas Eigenartiges. Es entsteht, was man kurz den alttestamentlichen Schriftbeweis nennt Jesus selber schließt den Jüngern auf dem Wege nach Emaus die Schrift auf und zeigt ihnen, daß dort schon geschrieben stand, was geschehen mußte (Lk. 24, 2 7). Jesus schließt nicht nur ihnen, sondern überhaupt den Seinigen in den vierzig Tagen zwischen Ostern und Himmelfahrt die Schrift auf und zeigt ihnen, wie alles das, was sie gesehen haben, über ihn geweissagt war (Ebd. 44 f-)- Ja, Johannes überliefert uns, offenbar aufgrund guter Erinnerung persönlichen Erlebnisses, daß Christus schon früher auch den jüdischen Schriftgelehrten selbst entgegengehalten hat: „Ihr forscht in den Schriften, — sie sind es, die von mir Zeugnis geben" (Joh. 5, 3g). Wir begegnen bei der ersten Predigt, die Simon Petrus am Pfingsttage an die vor dem Hause zusammengeströmte Judenmenge hält, sofort diesem Hinweis darauf, daß in dem jetzt Geschehenen erfüllt ist, was bei dem Propheten steht (Apg. 2, 16 ff.). 558

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