Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 555 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Urkirche und Judentum standen sind. Darin ist es „der Sohn Davids, den Gott erkoren hat, daß er über Israel regiere, den Gott mit Kraft gegürtet hat, daß er ungerechte Herr-* scher zerschmettere und Jerusalem reinige von den Heiden; daß er weise und gerecht die Sünder vertreibe", — so kommt zugleich die politische und die religiöse Befreiungshoffnung zum Worte, — „daß er mit eisernem Besen zerschlage all ihr Wesen" . . . „Und dann wird er ein heiliges Volk zusammenbringen" unter der neuen Königsherrschaft, „das er mit Gerechtigkeit regiert und wird richten die Stämme des von dem Herrn seinem Gott geheiligten Volkes" . . . „denn er kennt sie und weiß, daß sie alle Söhne (oder Kinder) Gottes sind" (Psalm 17). Diese fromme Glut des Gebetes und der Erwartung, die sich in den sog. „Psalmen Salomons" auf den „Davids-Sohn" und das neue Gottesreich konzentrieren, finden wir im Henochbuch auf den „Menschensohn" gerichtet Der Ausdruck „Menschensohn" stammt aus Daniel, Kapitel 7. Dort werden die vier Reiche, die nacheinander die Welt beherrschen werden, dargestellt durch den Löwen, den Bären, den Panther und das Tier mit den eisernen Zähnen. Aber schließlich kommt als derjenige, der diese irdischen Reiche ablöst, einer, der vor den Flammen thron geführt wird; der hat nicht Tiergeslalt, sondern erscheint „wie ein Menschensohn", und das ist derjenige, dem zum Ende die Herrschaft über alles übergeben wird. Dieser danielische Menschensohn erscheint nun in dem äthiopisch und bruchstückweise griechisch überlieferten Buch Henoch — einem Zaubergarten abenteuerlicher Märchenphontasie, der wertvolle Überlieferungen spätjüdischen Volksglaubens enthält — als der erwartete Heilbringer. Im 46. Kapitel wird er geschildert in Anknüpfung an Daniel als der König des erwarteten messianischen Reiches. „Das ist der Menschensohn, der die Gerechtigkeit hat, bei dem die Gerechtigkeit wohnt und der alle Schätze dessen, was verborgen ist, offenbart. Denn der Herr der Geister hat ihn auserwählt." — „Dieser Menschensohn, den du gesehen hast" — so wird dem Propheten gesagt, — wird die Könige und Mächtigen von ihren Lagern schrecken und die Starken von ihren Thronen sich erheben machen, er wird die Könige von ihrem Thron und aus ihren Königreichen verstoßen, weil sie ihn nicht erheben noch preisen, noch dankbar anerkennen." Der Menschensohn „wird das Licht der Völker und die Hoffnung derer sein, die in ihrem Herzen betrübt sind" (c. 48). „Er war verborgen bei Gott, als die Welt geschaffen wurde" (Ebda.) — Er wird deshalb bei Daniel (c. 7) vom Himmel hergesandt. — 555 35