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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 554

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Urkirche und Judentum
Date
1925-12-01
Page
554 (sequence 6)
Language
German
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Engelbert Krebs er in den kurzen Predigten Jesu immer wiederkehrt. Aber es ist ein jüdischer Gedanke. Christus nimmt ihn auf und gebraucht ihn in mehrfachem Sinn: einmal in dem Sinn, daß er die Königsherrschaft Gottes über ein sichtbares Gottesvolk darstellt, zweitens aber auch in dem Sinne, daß das Gottesreich die Königsherrschaft Gottes über die Einzelseele bedeutet: „Das Reich Gottes ist in euch" (Lk. 17, 21). Und wie der Jude das Reich Gottes zugleich in einem dritten Sinne betrachtete, nämlich eschatologisch, wie er die vollendete Königsherrschaft Gottes erst von der Endzeit, da der Messias kommt, erwartet, so gebraucht auch Christus den Ausdruck von dem Reich Gottes in dem Sinne: Jetzt ist die Erfüllung der Gottesherrschaft nahe, weil der von Gott gesandte Herr der Grottesherrschaft und des Gottesreiches jetzt gekommen ist (vgl Mk. 1, i5: „Die Zeit ist erfüllt und das Gottesreich hat sich genaht"). Zugleich spricht Christus aber auch dann noch von einem allerletzten, jetzt noch fernen Endstadium dieses messianischen Gottesreiches, das in Herrlichkeit und mit großer Macht hereinbrechen wird in die Welt (vgl. Matth. 2 3, 3g und 2 4, 3o; Lk. 2 4, 26). Es verbindet sich in der Predigt Christi mit diesem jüdisch-talmudisch bezeugten messianischen Begriff des Gottesreiches und der Gottesherrschaft der Begriff des Menschensohnes. Auch damit werden wir auf einen in der jüdischen Frömmigkeit jener Zeit lebendigen Gedanken hingewiesen. Zeugnisse dafür sind uns einige Schriften aus den sogenannten alttestamenüichen Apokryphen. Apokryphe Schriften nennen wir sie, weil sie nicht zu dem Kanon des jüdischen alten Testaments gehören und weil sie, obwohl in späterer Zeit entstanden, sich Namen beilegen von Männern der Vorzeit, denen sie sicherlich nicht zugehören.x) In diesen Schriften finden wir eine glühende Sehnsucht nach der Endzeit, eine Sehnsucht zugleich nach dem Herrn dieser Endzeit In manchen dieser Schriften erscheint jener Endzeit-König vorwiegend als der Sohn Davids und damit als der erwartete nationale Befreier, zugleich aber doch — wie es bei den Juden jener Zeit selbstverständlich ist — als religiöser Befreier und Heilbringer. So in den sogenannten Psalmen Salomons, die im letzten Jahrhundert der vorchristlichen Zeit entx) Vgl. die deutsche Übersetzung: Die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments, hg. von E. Kautzsch, 2 Bände, Neudruck Tübingen 1921. Die protestantische Theologie rechnet auch einige Bücher zu den Apokryphen, die von der kathol. Kirche dem Kanon des Alten Testaments zugezählt werden, so die beiden Makkabäerbücher, die Büchlein Tobias, Judith, Weisheit Salomos und Weisheit des Jesus Sirach. 554

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