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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 552

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Urkirche und Judentum
Date
1925-12-01
Page
552 (sequence 4)
Language
German
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Engelbert Krebs Wer so ehrlich an das Problem herangeht wie Strack und Billerbeck, und wer zwei so belesenen Führern sich anvertraut, der sieht bei jedem Schritte, wie stark das ganze Neue Testament im echtesten Judentum wurzelt Das Judenland war die Heimat Jesu und damit die Heimat der Kirche. Juden sind die ersten Zuhörer Jesu, und darum ist es ganz selbstverständlich, daß Inhalt und Form der Rede und Predigt Jesu dem Judentum entnommen war, ans Judentum anknüpfte und in jüdischer Weise ausgelegt werden muß. Was war der wesentliche Inhalt? Wenn wir das Markusevangelium ansehen, so hören wir darin: „Nachdem Johannes eingekerkert worden war, kam Jesus nach Galilaea und predigte das Reich Gottes" (Mark, i, i4)- Er hat nicht eine Heilslehre für die Einzelseele verkündigt, sondern das Reich Gottes, das heißt die Lehre von der Königsherrschaft Gottes (ßccaüsia xov Qsov) über alle Menschenseelen und von den Heilsgütern und Pflichten, die sich für die einzelne Menschenseele deshalb, weil sie unter der Königsherrschaft Gottes steht, gegenüber Gott und gegenüber den anderen Menschenseelen ergeben. Der Reichgottesgedanke steht im Vordergrund der Predigt Jesu Christi, und dieser Reichgottesgedanke ist denjenigen, die den Talmud kennen, nichts Fremdes. Wohl steht er dort nicht so im Vordergrunde. Aber wie das Evangelium und die Predigt Jesu das Reich Gottes oder das Reich der Himmel kennt, so kennt der Talmud in vielen Fällen den Ausdruck Malkuth Schamaim oder Malkuth Jahwe (wenn wir diese moderne Aussprache des Tetragrammes Jhwh anwenden dürfen) oder aramäisch Malkutha Dischmaja. Die beiden Ausdrücke M. Schamajim und M. Jhwh besagen dasselbe: „Königsherrschaft Gottes". Diese Königsherrschaft Gottes, die sich durch die Schöpfung der ganzen Welt als etwas von selbst Gregebenes erklärt, hat Israel in freier Entschließung am Sinai vertragsmäßig auf sich genommen, und seitdem weiß es sich unter die Königsherrschaft Gottes gestellt und ist sich dessen als eines jüdischen Ehrenvorzuges froh bewußt Der Talmudjude der spätjüdischen Zeit betet darum wie seine Vorfahren jeden Tag dreimal das altüberlieferte Schema, jenes große Gebet: „Höre Israel, der Herr, Dein Gott ist Dein einziger Gott" (Dt 6, 4) und jedesmal stellt er sich durch dieses Gebet von neuem mit der ganzen jüdischen Gemeinde unter die Königsherrschaft Gottes. „Das Schema beten heißt, die Gottesherrschaft auf sich nehmen. Dessen zum Zeichen legt der Jude den Gebetsriemen an." *) In den einzelnen Mischnax) Strack-Billerbeck I 177. Daraus auch die folgenden Zitate, deren Fundorte dort nachzulesen sind. 552

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