Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 550 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Engelbert Krebs Daß neben den unsachlichen und parteiischen Elaboraten der Wortführer dieser heidnischen Bewegung auch eine Kampfschrift mit dem in Gelehrtenkreisen ehrwürdigen Verfassernamen Friedrich Delitzsch erschienen ist, gehört zu den schmerzlichsten Erscheinungen der deutschen Gegenwart1) Die katholische Kirche, die sich heute noch als die ununterbrochen fortwachsende Kirche Jesu und der Apostel weiß, die also an die Tage, des Urchristentums nicht nur durch historische Forschung heran zu kommen und das Urchristentum nicht erst entdecken zu müssen glaubt, sondern die sich lebendig verbunden weiß in Verfassung, Glauben, Sitte und Liturgie mit jenem Urchristentum, die katholische Kirche hat diese Verwerfung des Alten Testaments und die feindselige Stellung zum Judentum prinzipiell immer abgelehnt Ich weiß selbstverständlich, daß die Praxis der Kirche in Einzelfällen gewechselt hat, daß das Verhalten mancher Päpste, mancher Bischöfe gegenüber den unter ihrer Landeshoheit wohnenden Juden nicht immer einwandfrei gewesen ist Aber den Grundgedanken, daß das alttestamentliche Judentum seiner Religiosität nach den Mutterboden darstellt, aus dem als dessen reife Frucht das Christentum erwachsen ist, den hat die Kirche niemals aufgegeben. Und jeden Versuch, ihr die erwähnten feindseligen Gedanken einzuimpfen, weist sie immer wieder, wie ein gesunder Magen die giftigen Speisen von Grund aus zurück. Ich habe darum gerne die Gelegenheit ergriffen, auf die Aufforderung Heidelberger jüdischer und christlicher Kreise hin, hier an der Universität einmal unsere katholische Betrachtung der urkirchlichen Zustände und ihres Verhältnisses zum Judentum vorzutragen und zugleich zu zeigen, wie aus dieser urkirchlichen Art des Verhaltens sich für uns heutige Katholiken die Richtschnur auch unseres Verhaltens gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern ergibt Insbesondere möchte ich zeigen, was an jüdischem Erbgut bei uns heute noch lebendig ist, vielleicht lebendiger bei der katholischen Kirche und ihren strenggläubigen Anhängern als in manchen liberalen jüdischen x) Von dieser Schrift und der darin sich offenbarenden Gesinnung will auch A. v.Harnack nichts wissen: „Ich protestiere hiermit dagegen, daß meine Ausführungen mit denen von Friedrich Delitzsch („Die große Täuschung") zusammengestellt werden, wie dies mehrfach geschehen ist; diese sind vom wissenschaftlichen Standpunkt aus ebenso rückständig, wie vom religiösen verwerflich." Harnack Marcion (1924) S. 223 Anm. 1. — Eine vortreffliche, auch für den jüdischen Leser wertvolle Antwort auf Delitzschs Werk schrieb sein eigener Schüler Joh. Theis, Professor des Alten Testaments und der orientalischen Sprachen am Bischof 1. Priesterseminar in Trier, unter dem Titel: „Friedr. Delitzsch und seine große Täuschung, oder Jaho und Jahwe", Trier 1921, Paulinusdruckerei. 550