Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Urkirche und Judentum
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 549 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895457-2896421--00653-2896478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Urkirdie und Judentum Ein Heidelberger Universitätsvortrag Von Engelbert Krebs Seit dem. 2. Jahrhundert sind innerhalb des Christentums immer wieder Stimmen laut geworden, die eine völlige Lossagung der Kirche von der jüdischen Religion und ihren heiligen Büchern forderten. Die Kirche ist nie darauf eingegangen. Heute wird diese Forderung von einem der führenden protestantischen Theologen, Adolf v. Harnack in Berlin, durch sein Werk über Marcion an die evangelische Christenheit gerichtet, da die katholische Kirche nicht imstande ist, ihr zu entsprechen.1) Die Loslösung des Christentums vom alttestamentlichen Geiste soll die Reinheit des Christentums und seine religiöse Werthaftigkeit fördern. Neben diese geschichtliche durch die Jahrhunderte sich hinziehende Bewegung innerhalb der Christenheit tritt seit Neuestem eine zweite, die man nicht anders als heidnisch nennen kann. Sie lebt von Gedanken, die sich seit Gobineaus Versuch über die Menschenrassen immer mehr in rassentheoretisch und nationalistisch verbildeten Köpfen festgesetzt haben. Man versucht das Christentum als Werk eines Nichtjuden, eines Ariers, in einen naturhaften Widerspruch zum Judentum zu setzen, und bemüht sich, gerade in unseren Tagen die nationalen Instinkte unter religiöser Maske mit wissenschaftlich scheinenden Argumenten aufzureizen, um bei den Christen Verachtung für das Judentum und für die Verehrung seines als „Beduinengötzen" bezeichneten Gottes zu wecken. Man will das Gefühl der Überlegenheit und des Hochmuts aufstacheln zum Haß und Kampf gegen einen Teil unserer Mitbürger.!) Vgl. dazu dem Aufsatz von Hans Schmidt „Das Alte Testament als kanonische Urkunde des Protestantismus" im 4- Heft des Morgen. 549