Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 5 (Dezember 1925)
- Article
- Bemerkungen zu zwei Büchern
- Date
- 1925-12-01
- Page
- 545 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen zu zwei Büchern Charakteristik der Juden. Sie umfaßt die Seiten 367—372. Der Verfasser ist durchaus nicht im üblichen Sinne antisemitisch eingestellt Er möchte den Juden gerecht werden und lehnt die landläufigen abwertenden Urteilei über sie ab. Seine eigene volkspsychologische Charakteristik sei an einigen Punkten dargelegt Sauer findet bei den Juden Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit — diese Eigenschaften sollen sie merkwürdigerweise dem englischen Typus annähern. „Zur selbstlosen, das Individuum aufgebenden Arbeit in einer Gemeinschaft sind sie im ganzen weniger geignet (doch macht sie wiederum ihre Anpassungsfähigkeit auch für die Tätigkeiten in der Gemeinschaft geeignet)4'. Also +1 — 1 0. Die Juden stehen „dem deutschen Typus sehr nahe, wegen ihrer Arbeitsamkeit, ihres Fleißes, ihrer Strebsamkeit und Ausdauer". „Ihren ungeheuren Formensinn und ihre Vorliebe für Abstraktionen teilen sie wiederum mit dem romanisch-französischen Typus." Schließlich repräsentieren sie auch noch „den religiös orientalischen Typus". Die Juden vereinigen also wesenhafte Züge des englischen, französischen, orientalischen und deutschen Typus! Aber Sauer wird es doch ein wenig Angst vor der Annäherung des jüdischen Typus an den deutschen. Daher muß er jetzt die Unterschiede zwischen beiden kräftig herausarbeiten. Nun wird, nach berühmten Mustern, alles Licht auf die Deutschen, alles Dunkel auf die Juden geworfen. Die Züge des Deutschen werden seinem Idealbild entnommen, die Züge des Juden seinen subalternen Vertretern, ohne daß ich deshalb mala fides bei Sauer annehmen möchte — man hat eben nicht ungestraft die Literatur ä la Chamberlain gelesen. Worin liegt dL Hauptverschiedenheit des Juden von dem Deutschen? „Der Jude setzt sich meist nur Nahziele (glaubt Sauer wirklich, daß sich der Deutsche meist nur ideale Fernziele setzt?), denn er will eben Erfolg haben", (der Deutsche will wohl keinen Erfolg haben?) er will zeigen, daß er etwas bedeutet" „Stille ruhige Arbeit, nur um der Arbeit willen, ist ihm wesensfremd, und selbstlose Hingabe an Ideale ist ihm ebenfalls wesensfremd." In diesem Sinne geht es weiter. Man hört ordentlich die Assoziationen der antisemitischen Clicheliteratur abschnurren. — „Der Jude erinnert sich der Vergangenheit, der Deutsche sieht in die Zukunft" (merkwürdige Antithese!). „Der Jude hat Erfolg, der Deutsche sucht Erfolg." (Noch merkwürdigere Antithese! Wenn der Jude Erfolg hat, dann muß er doch vorher Erfolg suchen — oder sollte Gott es den Seinen im Schlaf geben?) Konstruktiv ist natürlich nur der Deutsche, der Jude nur destruktiv. Beispiel für das erste: Fichte und Bismarck, für das letzte: Lassalle 545