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Der Morgen · 1925-12-01 · Heft 5 (Dezember 1925) · p. 540

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 5 (Dezember 1925)
Article
Unsterblichkeit
Date
1925-12-01
Page
540 (sequence 16)
Language
German
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William James Sonne auf und die Strahlen der Schönheit erleuchten ihren Weg. Seine innere Freude übersehen, sagt Stevenson, heißt ein Wesen überhaupt übersehen. Nicht ein einziges Wesen in dieser Menge gibt es, dessen Fortleben nicht verlangt, aufs Heftigste verlangt würde von dem Bewußtsein, das die Form dieses Geschöpfes beseelt Daß Sie es sich weder vorstellen, noch verstehen, noch danach verlangen, daß Sie kein Bedürfnis danach haben, ist schlechthin gleichgiltig. Daß Ihr Interesse an einem bestimmten Punkt aufhört, sagt uns nichts über die an sich bestehenden Interessen. Das Universum schafft mit jedem Lebewesen, das es aus seinen schöpferischen Quellen hervorgehen läßt, einen Drang nach seinem Leben und ein Verlangen nach dessen Fortdauer — wenn nirgends anders, so doch im Herzen dieses Wesens selbst Es ist) unsinnig anzunehmen, daß, nur weil bei uns selbst die Kraft, mit andern Lebewesen mitzufühlen, so bald erlischt, auch im Herzen des unendlichen Wesens selbst eine solche Übersättigung oder ein Überdruß eintreten könnte. Es gibt da kein von vier Wänden umschlossenes Zimmer, in das die Seelen hineinkämen, und sich nun drängen und zusammenrücken müßten, um neuen Bewohnern Platz zu machen. Jede neue Seele bringt ihre eigene räumliche Welt, ihre eigene Wohnstätte mit; und diese Räume beengen sich nicht gegenseitig, — der Raum meiner Vorstellung z. B. kommt in keiner Weise dem Ihrigen ins Gehege. Die Summe des möglichen Gesamtbewußtseins scheint von keinem Gesetz abhängig, das dem sogenannten Gesetz der Erhallung der Energie vergleichbar wäre. Wenn ein Mensch aufwacht oder geboren wird, braucht darum nicht ein Andrer einzuschlafen oder zu sterben, damit die Gesamtbewußtseinssumme in der Welt konstant bleibt Professor Wundt hat sogar in seinem „System der Philosophie" ein Gesetz des Universums formuliert, das er das Gesetz des Wachstums der geistigen Energie nennt und ausdrücklich dem Gesetz der Erhaltung der Energie in der physikalischen Welt gegenüberstellt Es scheint keine eigentliche Grenze für das Wachstum in geistigen Dingen zu geben; und da jedes geistige Wesen, wo immer es erscheint, sich behauptet, sich ausbreitet und ungestüm nach Fortdauer verlangt, so dürfen wir mit Recht und buchstäblich sagen, ohne auf unsere privaten Sympathien und ihre Grenzen weiter Rücksicht zu nehmen, daß der Zustrom individuellen Lebens im Weltall, wie unermeßlich er auch sein mag, den Bedarf nie übersteigen kann. Das Verlangen nach diesem Zuwachs ist in dem Augenblick da, in dem das neue Wesen selber ins Dasein tritt, denn eben dieses neue Wesen verlangt nach der Fortdauer seines Seins. 540

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